29. Mai 2013

Graf Duckula - Die Blutprobe

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Inhalt:

Graf Duckula erreicht ein Brief von seiner Verwandtschaft. Alle hundert Jahre findet das Familientreffen am 31. Oktober statt und diesmal soll Schloss Duckula Treffpunkt sein. Natürlich ahnt keiner der Verwandten, dass Duckula Vegetarier ist. Duckula will das Treffen am liebsten absagen, doch dafür ist es schon zu spät. Igor frohlockt, denn er hofft, dass der Graf vor den Augen seiner Verwandtschaft gezwungen sein wird, Blut zu trinken und vielleicht doch endlich Geschmack daran findet.

Duckula setzt sich künstliche Vampirzähne ein und täuscht seinen Verwandten so gut es geht vor, ein echter Vampir zu sein. Nur mit Mühe gelingt es ihm, sich vor einem Glas Blut zu drücken. Er ahnt, dass er das Versteckspiel unmöglich noch länger aufrecht erhalten kann und seine Verwandten früher oder später herausfinden, dass er kein Blutsauger ist - was seinen sicheren Tod bedeuten würde.

In seiner Verzweiflung beschließt er, sich heimlich davonzuschleichen und Dr. von Gänseklein aufzusuchen, der die Vampire anschließend verjagen soll. In Verkleidung stellt er sich Dr. von Gänseklein als Vampirjäger-Kollege vor und erzählt von einem Vampirkongress auf Schloss Duckula. In Begleitung des eifrigen von Gänseklein sucht er das Schloss auf ...

Heiteres Blutaroma-Raten

"Die Blutprobe" ist definitiv eine Highlight-Folge innerhalb der Serie. Graf Duckula gerät in eine äußerst brenzlige Situation, schließlich würden seine Verwandten ihm kurzerhand den Garaus machen, wenn sie hinter sein Geheimnis kämen, dass er Blut verabscheut und dagegen Brokkoli bevorzugt.

Der besondere Clou der Geschichte liegt darin, dass Duckula ausgerechnet bei seinem Erzfeind Dr. von Gänseklein, „dem größten Vampirjäger der Welt“, wie er selbst stets so schön sagt, Hilfe sucht - denn so sehr von Gänseklein normalerweise fürchtet, seine Familie sitzt ihm ausnahmsweise noch mehr im Nacken. Bei Duckulas Tarnung als Vampirjäger kommt man in das Vergnügen seines sächsischen Dialektes, den er sich zulegt, um von Gänseklein möglichst ähnlich zu klingen und damit auf ihn sympathisch zu wirken. Natürlich hält er das nicht immer perfekt durch und verhaspelt sich zwischendurch immer mal wieder, was ihn beinah enttarnt.

Ein witziges Missverständnis tritt auf, als Dr. von Gänseklein den Bewohner von Schloss Duckula als meisterhaftes Genie beschreibt und der Graf, heimlich geschmeichelt, beipflichtet und auch das gute Aussehen jenes Bewohners lobt - bis sich herausstellt, dass Dr. von Gänseklein eigentlich nicht von ihm, sondern von Igor sprach, den man wahrlich nicht als hübsch bezeichnen kann. Auch der Pathos des Vampirjägers geht Duckula reichlich auf die Nerven. "Das ist vielleicht ein Schmierenkomödiant", stöhnt er, als von Gänseklein verkündet, auf ihrer Seite kämpfe "die Macht der Güte, der Tugend, der Rechtschaffenheit und der Gerechtigkeit". Zudem hat von Gänseklein Gelegenheit, wieder einmal eine seiner verrückten, selbsterfundenen Waffen einzusetzen, diesmal seinen spektakulärer "Dr.-von-Gänseklein-Patent-Weitwinkel-Multi-Vampir-Exterrorisiererer".

Sehr witzig ist aber auch das Treffen mit Duckulas Verwandten, allen voran Onkel Vlad und Tante Lukrezia. Tante Lukrezia drückt ihren "kleinen Neffen" erfreut an sich und verpasst ihm einen Kuss, bei dem der Graf beinah seine Plastikzähne verliert. Onkel Vlad ist nicht viel besser, will er ihm schließlich unbedingt ein Glas Blut aufdrängen. Schön makaber ist das beliebte Blutaroma-Raten, bei dem Igor Onkel Vlad ein Glas Blut serviert und dieser unter großem Beifall herausschmeckt, dass eine "verwegene, um nicht zu sagen tolldreiste" jugoslawische Kellnerin von ungefähr 22 Jahren dafür herhalten musste.

Fazit:

Eine sehr gute Folge der Zeichentrickserie, die in jeder Hinsicht gut unterhält. Sowohl Spannung, Humor als auch die (Synchron-)Sprecher überzeugen auf ganzer Linie.

Sprechernamen:

Graf Duckula: Ilja Richter
Igor: Donald Arthur
Emma: Hartmut Neugebauer
Dr. von Gänseklein: Jochen Busse
Erzähler: Eddie Arent (TV-Serie)/Günther Flesch (Hörspiel)

23. Mai 2013

Herzstoß - Joy Fielding

Produktinfos:

Ausgabe: 2013
Seiten: 384
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Die Autorin:


Joy Fielding, geboren 1945 in Toronto, Kanada, hatte bereits in ihrer Kindheit großes Interesse am Schreiben. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin studierte sie englische Literatur und arbeitete eine Weile als Schauspielerin. 1991 gelang ihr mit dem Roman "Lauf Jane, lauf" der internationale Durchbruch. Seitdem landen ihre Frauenthriller regelmäßig auf den Spitzenpositionen der Bestsellerlisten. Weitere Werke sind u. a. "Sag Mammi goodbye", "Ein mörderischer Sommer", "Schlaf nicht, wenn es dunkel wird" und "Tanz Püppchen, tanz".

Inhalt:

Zwei Jahre ist es her, dass das Leben der fünfzigjährigen Kanadierin Marcy Taggert aus den Fugen geriet. Ihre zwanzigjährige, bipolare Tochter Devon kehrte von einem Kanuausflug nicht zurück; das gekenterte Kanu wurde gefunden, Devon selbst blieb verschollen. Für die Polizei und Marcys Ehemann Peter deutete schnell alles auf einen Selbstmord hin. Marcy allerdings klammert sich nach wie vor an die Hoffnung, dass Devon ihren Tod nur vortäuschte und anderswo ein neues Leben begonnen hat.

Die zweiten Flitterwochen in Irland sollen Marcy auf andere Gedanken bringen - kurz zuvor verlässt Peter sie jedoch wegen einer anderen Frau. Aus Trotz fliegt Marcy dennoch nach Irland. In einem Pub in Cork glaubt sie plötzlich, in einer jungen Frau ihre Tochter zu erkennen, ehe diese ihrem Blickfeld entschwindet. Bestärkt wird sie in ihrer Annahme durch Devons frühere Faszination für Irland, das Land ihres Vaters.

Marcy ist überzeugt davon, dass sie tatsächlich Devon gesehen hat und setzt alles daran, sie zu finden. Mit einem Foto Devons macht sie sich auf die Suche. Schließlich erfährt sie, dass die junge Frau, die sie sah, vermutlich Audrey heißt - Devons neue Identität, vermutet Marcy. Bei ihren Nachforschungen gerät sie allerdings in gefährliche Situationen. Die Polizei hält sie allmählich für psychisch instabil, zudem scheint jemand alles daran zu setzen, sie von der Suche abzuhalten ...

Bewertung:


Verschwundene Töchter und die verzweifelte Suche der Mutter nach ihnen waren schon in anderen Thrillern Joy Fielding Thema ("Lebenslang ist nicht genug" und "Bevor der Abend kommt") und auch sonst greift die Autorin auf ihr bewährtes Schema zurück: Eine Frau mittleren Alters in einer Lebenskrise, verlassen vom Ehemann und mehr oder weniger allein für eine fixe Überzeugung kämpfend. Marcy ist die Einzige, die noch nach zwei Jahren glaubt, dass Devon bei dem Kanuunfall nicht umgekommen ist. Neben dem Scheitern ihrer Ehe hat sie noch zu verarbeiten, dass ihre eigene Mutter ebenfalls an einer bipolaren Störung litt und sich das Leben nahm - Grund genug für Marcys Noch-Ehemann Peter, ihr vorzuwerfen, dass Devon die psychische Krankheit offenbar aus Marcys Teil der Familie haben muss. Auch Marcys Schwester Judith ist ihr keine große Hilfe, da sie genau wie alle anderen von Devons Selbstmord überzeugt ist.

Trotz einiger Schwächen ist der Roman vor allem in der ersten Hälfte durchaus recht spannend und kurzweilig zu lesen. Es ist weder auszuschließen, dass es sich bei "Audrey" tatsächlich um Devon handelt, noch, dass Marcy einem Irrtum erlegen ist. Ihre Hilflosigkeit ist deutlich zu spüren und ihre Verzweiflung wirkt teils anrührend. Für weitere Spannung sorgen die beiden Männer, die in Irland in Marcys Leben treten: Da ist einmal der wohlhabende Vic, der großes Interesse an Marcy zeigt und mit dem sie zu ihrer eigenen Überraschung eine Nacht verbringt. Danach versucht sie, die aufkeimenden Gefühle abzuschütteln und gerät in einen Zwiespalt, als Vic verdächtigt wird, ihr Pensionszimmer verwüstet zu haben. Und da ist der junge Liam, Kellner in dem Pub, in dem Marcy Devon das erste Mal gesehen haben will. Liam ist Marcy nicht nur bei der Suche nach dem Mädchen behilflich, er zeigt ebenfalls Interesse, was Marcy nicht zuletzt wegen des Altersunterschiedes verwirrt. Welche Rolle diese beiden Männer einnehmen und ob sie es ehrlich mit Marcy meinen, bleibt eine ganze Weile auch für den Leser spekulativ.

Zu den Mankos des Romans zählt zum einen, dass sich das Ende einige Seiten vor den entscheidenden Enthüllungen erahnen lässt und das große Finale daher genau verläuft wie erwartet. Zudem gibt es am Ende ein paar konstruierte Zufälle, bei denen es sich die Autorin zu einfach gemacht hat und die den Gesamteindruck merklich trüben. Weiterhin fallen immer wieder einige von Marcys Handlungsweisen störend auf. Mehrfach verhält sie sich äußerst leichtsinnig und strategisch unklug und beschwört die Probleme, in die sie gerät, selbst herauf; nicht nur auf die Polizisten, auch auf den Leser wirkt dies zunehmend enervierend. Letztlich erinnert der Roman in vielen Details stark an frühere Romane der Autorin - seien es die Eheprobleme, die Gedanken der Protagonistin, ihre Familienverhältnisse oder ihre scheinbar prophetischen Träume - all dies kommt einem aus anderen Büchern Joy Fieldings bekannt vor und wirkt wie eine phantasielose Wiederverwertung.

Fazit:


Ein halbwegs unterhaltsamer Thriller, sofern man keine hohen Ansprüche stellt. Liest sich leicht und schnell, bleibt aber nicht lange im Gedächtnis und erinnert doch in einen Punkten an frühere Werke der Autorin.

21. Mai 2013

Dunkler Wahn - Wulf Dorn

Produktinfos:

Ausgabe: 2013
Seiten: 429
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Der Autor:

Wulf Dorn, Jahrgang 1969, absolvierte Fremdsprachenkorrespondenten und arbeitete in der Betreuung von Psychiatrie-Patienten. 2009 erschien mit "Trigger" sein erster Roman, der ihm gleich den Durchbruch als Thriller-Autor verschaffte. Weitere Werke: Kalte Stille, Mein böses Herz.

Inhalt:

Psychiater Jan Forstner erlebt gerade eine Krise mit seiner Freundin Carla, die sich von ihrem zurückgezogen hat. Zudem steht er noch unter den nervenaufreibenden Eindrücken der letzten Monate, in denen er einen Klinikskandal aufdeckte. Ausgerechnet jetzt hat es offenbar eine Verehrerin auf ihn abgesehen, die ihm Rosen schickt und ihn anruft.

Jan ist zunächst etwas irritiert, merkt dann jedoch schnell, dass er es mit einer ernstzunehmenden Stalkerin zu tun hat. Die Unbekannte hinterlässt mittlerweile auch Nachrichten bei ihm zuhause, beobachtet ihn anscheinend ständig und schickt bedrohliche Bilder, die auf eine gestörte Persönlichkeit hinweisen. Jan wird den Verdacht nicht los, dass es sich möglicherweise um eine Frau aus seinem direkten Umfeld handelt und verdächtigt mehrere Personen.

Zur gleichen Zeit will sich der Journalist Volker Nowak mit Jan treffen, um mit ihm über etwas Wichtiges zu sprechen. Doch kurz vor dem Treffen wird Nowak ermordet aufgefunden. Zu Jans Entsetzen verdichten sich die Hinweise, dass seine unbekannte Verehrerin dahinter steckt. Schließlich wird sie aus Eifersucht sogar für die Frauen in Jans Umfeld gefährlich - und erst recht für seine Freundin Carla. Verzweifelt versucht der Psychiater herauszufinden, wer hinter diesen Anschlägen steckt ...

Lieb mich oder ich kill dich

Eine psychopathische Stalkerin, die es auf einen Psychiater abgesehen hat, bietet grundsätzlich viel Potential für einen spannenden Thriller - das Wulf Dorn allerdings nur zu einem gewissen Teil tatsächlich nutzt.

Dabei ist vor allem die erste Hälfte des Romans durchaus verheißungsvoll: Die Geschehnisse greifen zu Beginn kurz Ereignisse aus dem vorangegangenen Band auf, ohne sich in Details zu verlieren. Jan Forstner steckt gerade in einer nicht leichten Phase seines Lebens - er hat einerseits noch mit jenen Vorkommnissen aus "Kalte Stille" zu kämpfen und andererseits distanziert sich seine Freundin Carla Weller von ihm. Als er einen Blumenstrauß erhält, ist sein erster glücklicher Gedanke, dass dieser von Carla stammt - und bald darauf wird er enttäuscht. Schnell stellt sich heraus, dass die anonyme Verehrerin weit mehr im Sinn hat, als lediglich von ihm im Stillen zu schwärmen. Sowohl dem Leser als auch Jan wird klar, dass es sich hier um eine gefährliche und gestörte Person handelt, die in einer Art Traumwelt lebt. Seine Spannung bezieht der Roman in dieser Phase aus den Fragen, wer sich hinter der Stalkerin verbirgt, wen sie womöglich noch umbringt oder anderweitig angreift und was sich Jan einfallen lässt, um sie zu entlarven. Besonderen Reiz gewinnt die Handlung durch die Tatsache, dass Jan nicht genügend Beweise für die tatsächliche Existenz der Stalkerin hat, damit die Polizei ermitteln kann. Gelungene Nebenfiguren wie der Polizist Stark, die alte Mutter des ermordeten Journalisten Volker Nowak und der junge Pfarrer Felix Thanner, der sich mit dem Beichtgeheimnis quält, runden in diesem Stadium den Roman ab.

Leider verliert sich der Thriller von da an mehr und mehr in unrealistischen Szenarien. Die Identität der Stalkerin sorgt für einen Knalleffekt, der allerdings zugleich ziemlich abstrus wirkt. Sicher wird dabei ein interessantes Phänomen thematisiert, das allerdings in der präsentierten Form sehr gezwungen und konstruiert erscheint. Ähnliche Auflösungen des Täters hat es in anderen Werken schon überzeugender gegeben - in diesem Fall hier siegt Effekthascherei über Plausibilität.

Des Weiteren hätte sicherlich noch die Figur des Jan Forstner vertiefend dargestellt werden können; er ist kein unsympathischer, aber auch nicht allzu einprägsamer Protagonist und bleibt unterm Strich recht blass. Eine weitere Pointe auf den letzten Seiten ist zudem nicht besonders wirkungsvoll - die Idee ist zwar an sich nicht unoriginell, hat aber einen ähnlich konstruierten Anschein wie die Enthüllung der Stalkerin. Flüssig geschrieben und insgesamt unterhaltsam ist der Roman durchaus - allerdings auch wahrlich kein Meisterwerk.

Fazit:

Grundsätzlich lesenswerter Thriller, der verheißungsvoll beginnt, am Ende aber doch recht konstruiert wirkt und somit nicht vollends überzeugen kann. Liest sich recht locker, ist aber dennoch insgesamt eher durchschnittlich.

18. Mai 2013

Pumuckl - Das goldene Herz/Der Waldspaziergang

Produktinfos:

Ausgabe: 1984
Dauer: ca. 49 Minuten
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Die Autorin:

Ellis Kaut wurde 1920 geboren. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung und ein Studium der Bildhauerei, bis sie 1948 als freie Schriftstellerin tätig wurde und für den Bayerischen Rundfunk Hörspiele schrieb. 1962 startete die Serie um den Kobold Pumuckl, der ihr Lebenswerk wurde. 1965 wurden die Geschichten auch in Buchform veröffentlicht, 1982 ging die populäre TV-Serie mit Hans Clarin als Pumuckls Stimme und Gustl Bayrhammer als Meister Eder an den Start. Ellis Kaut erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Schaffen, unter anderem das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Weitere Werke von ihr sind u.a. "Flibutz", "Geschichten vom Kater Musch" und "Schlupp vom grünen Stern". www.ellis-kaut.de

Hintergrund:

Der Pumuckl ist ein Kobold, der in einer Schreinerwerkstatt wohnt. Früher war Pumuckl unsichtbar, bis er eines Tages am einem Leimtopf des Schreinermeisters Eder hängen blieb und dadurch nach einem Koboldsgesetz sichtbar wurde. Ein Kobold muss bei dem Menschen bleiben, der ihn gesehen hat, so dass er seitdem bei Meister Eder lebt. Nur der alte, gutmütige Schreinermeister kann den Pumuckl sehen, sobald andere Menschen dazukommen, wird er unsichtbar. Der Pumuckl ist ein frecher kleiner Hausgeist, der am liebsten den Menschen Streiche spielt und das Chaos liebt - was Meister Eder immer wieder in aufregende und peinliche Situationen bringt. Trotz allem ist der Pumuckl im Grunde ein lieber Kerl mit einem guten Herz, auch wenn er es manches Mal mit seinem Schabernack übertreibt.

Inhalt:

Pumuckl und das goldene Herz:

Pumuckl ist furchtbar traurig, weil er seine Glasmurmel verloren hat. Überall sucht er nach seinem Spielzeug, doch die Murmel bleibt verschwunden. Stattdessen findet er etwas anderes und zwar einen goldenen Anhänger in Form eines Herzens.

Meister Eder befürchtet, es könnte einer Kundin gehören, die allerlei Anhänger an einem Kettchen getragen hat und erkundigt sich bei ihr. Doch er hat sich getäuscht, das Herz gehört der Kundin nicht. Daraufhin schenkt der Meister Eder den Anhänger guten Gewissens an den Pumuckl. Der Pumuckl ist hellauf begeistert, denn er liebt alle Dinge, die glitzern und glänzen.

Am Nachmittag kommt die kleine Bärbel aus dem Vorderhaus zu Meister Eder. Sie ist schrecklich traurig, denn sie hat den Anhänger verloren, den ihr Vater ihr geschenkt hat - ein kleines, goldenes Herz. Nachdem Bärbel wieder gegangen ist, fordert Meister Eder den Pumuckl auf, das Herz wieder herzugeben. Aber der Pumuckl denkt gar nicht daran ...

Der Waldspaziergang:

Meister Eder macht mit dem Pumuckl zur Abwechslung einen Spaziergang im Wald. Aber ihre Freude wird schnell getrübt, als sie auf lauter weggeworfenen Plastikmüll stoßen.

Anfangs findet der Pumuckl das glitzernde Silberpapier noch schön, doch als er sich an einer Glasscherbe schneidet, ist der Spaß auch für ihn vorbei. Zufällig entdecken sie auch die Übeltäter, die den Sperrmüll entsorgt haben. Der Meister Eder stellt die beiden zur Rede und informiert einen Forstbeamten - doch ohne Beweise kann der nichts gegen die Männer ausrichten.

Da kommt dem Pumuckl eine Idee, wie man die beiden doch noch überführen kann ...

Bewertung:


Das goldene Herz ist eine typische Pumuckl-Geschichte mit tiefer Moral und einem netten Happy-End. Wie so oft zeigt sich der kleine Kobold zunächst uneinsichtig. Obwohl der hübsche Herzanhänger jemand anderem gehört, will er es nicht mehr hergeben. Dann allerdings merkt er, wie sehr die kleine Bärbel an dem Herzen hängt und dass sie Angst davor hat, dass ihr Vater über den Verlust schimpfen wird. In Pumuckls Trotzverhalten werden sich viele Kinder leicht wiederfinden können. Es ist nur zu verständlich, dass er zunächst enttäuscht ist, sein Geschenk wieder hergeben zu müssen, viele Kinder würden ähnlich reagieren, am Ende siegt aber die Einsicht.

Trotz des sensiblen Themas gibt es natürlich viele lustige Stellen. Wie in jeder Folge kann der Pumuckl auch hier das Dichten nicht lassen. Voller Freude über das goldene Herz singt er ausgedachte Lieder in seiner Schaukel und fordert den Meister Eder auf, mitzusingen: "Sing doch bitte mal mit - Ich bin froh, trollolo-trollolooo!" - Eder stimmt allerdings nicht ein. Besonders humorvoll sind wie üblich die Stellen, an denen der Meister Eder sich für die Leute in seiner Umgebung, die nichts vom Pumuckl wissen, mal wieder reichlich merkwürdig erhält. Als der Pumuckl die von Bärbel gefundene Glasmurmel stibitzt und unsichtbar damit über den Boden jagt, ruft der Meister Eder ihm "Pumuckl!" hinterher. Die zunächst verwirrte Bärbel meint daraufhin, "Pumuckl" sei der Name der Murmel und nennt sie fortan so.

Sehr lehrreich ist außerdem, dass der Pumuckl nicht direkt auf die Standpauke des Meister Eder das Herz wieder hergibt, sondern als er die Bärbel beim Spielen mit der Murmel beobachtet und merkt, wie sehr sie sich wünscht, das Herz wiederzubekommen. Auf einmal möchte er dem Kind eine Freude machen - weil ihn das selber viel mehr freuen würde, als wenn er das Herz behält. Eine schöne und absolut kindgerechte Lehre also.

Beim Waldspaziergang ist der Pumuckl an dem Ärger ausnahmsweise unschuldig. Tatsächlich - auch solche Folgen gibt es. Dafür lernen die Kinder ein paar Dinge über Umweltschutz. Wenn jeder seinen Müll herumliegen lässt oder dort entsorgt, kann man bald nicht mehr in Ruhe spazieren gehen, ohne über irgendwelchen Plastik zu stolpern oder sich sogar zu verletzen. Gerade Kinder, die gerne herumtollen, können das nachvollziehen, dass so etwas stört.

Umso schöner ist dafür die Strafe, die sich der Pumuckl und der Meister Eder für die Umweltsünder ausdenken. Pumuckl kommt dabei seine Unsichtbarkeit zugute und er kann, so viel sei verraten, endlich einmal etwas stibitzen und verstecken und damit zugleich etwas Nützliches tun. Und so geht es in dieser Folge mal nicht darum, dass der kleine Kobold, sondern dass andere einen Fehler machen, während Pumuckl fast so hilfreich ist wie die ihm so verhassten Heinzelmännchen. Für die kindlichen Hörer ist die Folge nicht weniger lustig deswegen - jeder hört wohl gerne, wenn ein Übeltäter seine gerechte Strafe bekommt. In dieser Geschichte fallen ein paar mehr typisch bayrische Ausdrücke als sonst ohnehin schon, Verständnisprobleme sollte es daber dennoch nicht geben.

Fazit:

Zwei unterhaltsame und sehr lehrreiche Geschichten mit dem allseits beliebten Kobold. Während im ersten Hörspiel der Pumuckl selber zur Vernunft gebracht wird, sind es im zweiten Hörspiel Erwachsene, die sich falsch verhalten und vom Pumuckl eine Lehre erteilt bekommen. Ideale Unterhaltung für Kinder, die den Kobold sofort ins Herz schließen werden.

Sprechernamen:

Pumuckl: Hans Clarin
Meister Eder: Gustl Bayrhammer
Bärbel: Julia Fischer
Frau Meissner: Katharina de Bruyn
Erzähler: August Riehl

Michaela kommt ins Großstadtinternat - Marie Louise Fischer

Produktinfos:

Ausgabe: 1973
Seiten: 119
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Die Autorin:

Marie-Louise Fischer, 1922-2005, zählt zu den bekanntesten Autorinnen Deutschlands. Sie studierte zunächst Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, ehe sie als Dramaturgin in Prag arbeitete. Mit 29 Jahren erschien ihr erster Roman. Seitdem verfasste sie mehr als hundert Bücher, vorwiegend Gesellschafts- und Frauenromane. Vor allem ihre meist mehrbändigen Mädchenromane wurden zu Klassikern innerhalb der Jugendbuchliteratur, z.B. die Reihen "Ulrike", "Klaudia" und "Michaela".

Inhalt:

Die dreizehnjährige Michaela lebt zwar gerne im ländlichen Törwang, hat aber einen weiten Schulweg, seit sie von der Hauptschule aufs Rosenheimer Gymnasium gewechselt ist. Da alle Schulkameradinnen weit weg wohnen, ergeben sich keine richtigen Freundschaften und auch von ihrer alten Dorffreundin Nannei entfremdet sie sich. Seit ihre Zwillingsbrüder geboren sind, fühlt sie sich zudem von ihren Eltern zurückgesetzt und verfällt immer mehr in Schludrigkeit.

Zu Michaelas Entsetzen kommt sie auf ein Münchner Internatsstift, wo sie endlich Anschluss finden soll. Das Mädchen kann sich mit den ungewohnt primitiven Umständen zunächst gar nicht anfreunden. Es gibt nur einen riesigen Schlafsaal und ein einfaches Wohnzimmer für die ganze Gruppe, allein sein ist fast unmöglich. Plötzlich sehnt sich Michaela sehr nach ihrer Familie zurück.

Die anderen Mädchen nehmen sie trotz ihrer abweisenden Art schnell in ihre Gruppe auf. Zu ihren neuen Kameradinnen gehören vor allem die tatkräftige Babsi, die gemütliche pummelige Ruth, die kleine, rothaarige Edeltraud, wegen ihrer hohen Stimme "Pieps" genannt und die schöne, etwas arrogante Yvonne, deren Mutter Schauspielerin ist. Dennoch leidet Michaela heftig unter Heimweh. Trost findet sie aber in dem niedlichen Welpen Purzel, den sie vom Bauernhof ihrer Freundin Nannei mitnehmen darf. Hunde sind natürlich im Stift verboten, aber Michaela schmuggelt ihn ein ...

Bewertung:

Wie in den vielen anderen Internatsromanen von Marie Louise Fischer geht es auch hier um ein recht trotziges Mädchen, das sich zunächst überhaupt nicht mit dem neuen Leben abfinden will. Ähnlich wie die anderen Heldinnen Ulrike oder Leona ist Michaela eine Einzelgängerin, die dringend Kontakt zu Gleichaltrigen braucht. Zusätzlich ist Michaela recht schludrig und verpasst regelmäßig den einzigen Morgenbus zur Schule. Natürlich leidet sie anfangs stark unter Heimweh und ist böse auf ihre Eltern für deren Entscheidung - aber allmählich fügt sie sich ins Internatsleben ein. Die Episode mit Purzel ist recht spannend, denn als Leser fiebert man mit der spektakulären Aktion der Mädchen mit. Sie verstecken das Hündchen im Toilettenraum und teilen sich das Füttern und Gassigehen und auch wenn das natürlich nicht ewig funktioniert, wird für den Hund eine gute Lösung gefunden.

Durch das Gemeinschaftsleben wird Michaela gezwungen, ihre Trotzigkeit abzulegen und sich für die Sorgen anderer zu interessieren. Zudem erlebt sie seit langem wieder einmal, wie schön es sein kann, Dinge mit Freundinnen zu unternehmen statt sich immer zu abzukapseln. Schon bei ihrem ersten Heimfahrwochenende bemerkt ihre Mutter, dass Michaela ein ein ganzes Stück erwachsener benimmt und erst jetzt, wo sie lange Zeit von zuhause fort ist, beginnt sie echte Zuneigung zu ihren kleinen Zwillingsbrüder zu entwickeln und sie zu vermissen. Junge Leserinnen erleben hier die Bedeutung von Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, ebenso wie die Tatsache, dass man neue Situationen nicht gleich verurteilen soll.

Insgesamt ist der erste Michaela-Band aber ein wenig schwächer als vergleichbare Bücher der Autorin und auch schwächer als der Folgeband. Vor allem die Zustände im Stift sind reizloser als man es aus den anderen Romanen kennt. Ein Schlafsaal mit Dutzenden von Betten ist schon sehr spartanisch und sogar das Waschbecken muss sich Michaela mit Ruth teilen, auch tägliches Duschen ist von der Kapazität her nicht möglich. Es ist erstaunlich, wie problemlos die anderen Mädchen damit umgehen. Nebenbei wird erwähnt, dass bald ein neuer Anbau entsteht, in dem nur wenige Mädchen zusammen ein Zimmer teilen sollen, aber das finden Michaelas Kameradinnen sogar eher unnötig. Nicht einmal die verwöhnte Yvonne beklagt sich, obwohl sie auf der anderen Seite aus reichem Hause stammt und immer von ihrem Luxus schwärmt, weshalb es nicht gerade realistisch ist, dass sie die Zustände im Stift so leicht hinnimmt.

Etwas schade ist auch, dass Michaelas neue Freundinnen im ersten Band teilweise noch recht blass bleiben. Von Babsi bekommt der Leser ein recht gutes Bild, auch von der charismatischen Yvonne, wegen ihres zierlichen Aussehens mit den seidigen schwarzen Haaren meist "Puppe" genannt, die bei jeder Gelegenheit von ihrer erfolgreichen Mutter schwärmt. Von Ruth dagegen erfährt man kaum mehr, als dass sie recht gemütlich ist und nichts gegen ihren treffenden Spitznamen "Dicke" hat. Das allerdings ist nicht besonders günstig, schließlich verharmlost man den Spitznamen damit und die wenigstens Mädchen dürften in der Realität so gelassen wie Ruth damit umgehen. Auch über die kleine Edeltraud alias "Pieps" erfährt man kaum etwas, nur ihre roten Haare und die helle Stimme werden immer wieder erwähnt. Unscheinbarer als in anderen Büchern wirken auch die Erzieherinnen, über die Lehrer erfährt man so gut wie gar nichts - man denke im Gegensatz etwa an die junge Erzieherin Tina Wegener aus den Leona-Bänden oder an Fräulein Faust alias "Gretchen" aus der Ulrike-Reike, die beide deutlich facettenreicher sind als die Lehrerinnen und Erzieherinnen hier.

Fazit:

Der erste Band der Michaela-Trilogie, der solide unterhält und recht lehrreich für junge Mädchen ist. Allerdings bleiben die Nebenfiguren teilweise zu blass und das Internat ist nicht so reizvoll wie die aus anderen Reihen der Autorin. Lesenswert, wenn man allgemein Internatsliteratur mag, ansonsten aber gibt es bessere Bände mit dieser Thematik, die vorzuziehen sind, so u.a. auch der zweite Band der Reihe.

17. Mai 2013

Olga, Star der Parkschule - Marie Louise Fischer

Produktinfos:

Ausgabe: 1971
Seiten: 140
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Die Autorin:

Marie-Louise Fischer, 1922-2005, zählt zu den bekanntesten Autorinnen Deutschlands. Sie studierte zunächst Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften, ehe sie als Dramaturgin in Prag arbeitete. Mit 29 Jahren erschien ihr erster Roman. Seitdem verfasste sie mehr als hundert Bücher, vorwiegend Gesellschafts- und Frauenromane. Vor allem ihre meist mehrbändigen Mädchenromane wurden zu Klassikern innerhalb der Jugendbuchliteratur, z.B. die Reihen "Ulrike", "Klaudia" und "Michaela".

Inhalt:

Katrin, Silvy und Ruth geraten im Kino mit einem Herrn aneinander, der sich über ihre lauten Gespräche und frechen Antworten beschwert. Zum Schrecken der Mädchen entpuppt sich der Herr am nächsten Morgen ausgerechnet als ihr neuer Klassenlehrer Herr Alte. Silvy legt daraufhin sofort ihr Amt als Klassensprecherin nieder - sie fürchtet, dass es sonst zu weiteren Konflikten mit Herrn Alte kommt.

Allerdings wurmt Katrin und Silvy der Gedanke, dass nun eine andere das Klassensprecheramt übernehmen wird. Am liebsten wäre den beiden, dass die neue Klassensprecherin ihr Amt so schlecht macht, dass es bei der nächsten Wahl ein Leichtes für Katrin oder Silvy ist, den Posten zurückzubekommen. Spontan beschließen die beiden, dass ihre Freundin Olga ideal dafür sei - Olga ist zwar klug und grundsätzlich beliebt, aber dermaßen empfindlich, dass sie eine denkbar schlechte Klassensprecherin wäre. Tatsächlich gelingt es Katrin und Silvy, in der Klasse Olga auch ohne offizielle Wahl als neue Sprecherin durchzusetzen.

Olga ahnt nichts von deren Hintergedanken und ist überglücklich. Endlich fühlt sie, die sie wegen ihrer roten Haare oft aufgezogen wird, sich selbstbewusst. Ruth allerdings findet Katrins und Silvys Hintergedanken unfair und informiert Olga über die wahren Hintergründe. Olga ist zunächst tief enttäuscht. Dann aber beschließt sie, ihren neuen Posten so gut es geht zu vertreten, um Katrin und Silvy eins auszuwischen. In ihrem Bemühen, als Klassensprecherin aufzutrumpfen, schießt sie allerdings auch über ihr Ziel hinaus. Der Klasse stehen einige Konflikte bevor, insbesondere mit ihrem neuen Lehrer ...

Ein Rotfuchs mausert sich

Nach der vorlauten Katrin, der schüchternen Ruth und der ehrgeizigen Silvy steht nun im vierten Band der Reihe "Die Mädchen von der Parkschule" die sensible Olga im Mittelpunkt des Geschehens. Wie in den früheren Bänden geht es auch hier darum, dass die Schwächen des jeweiligen Mädchens zum Mittelpunkt der Handlung werden und die Protagonistin am Ende gelernt hat, ein bisschen besser mit jenen Schwächen umzugehen.

Olga ist eindeutig die Empfindlichste in der Mädchenclique von der Parkschule. Ihre feuerroten Haare machen sie ungewollt stets zu einem Blickfang und natürlich bleiben auch die Kommentare diesbezüglich nicht aus - ihre älteren Brüder necken sie gerne, die Nachbarkinder rufen auf der Straße freche Sprüche zu und Olga ist manchmal so unglücklich mit ihren Haaren, dass sie selbst ernstgemeinte Komplimente nicht wahrnimmt - als beispielsweise Ruths erwachsener Bruder sie bewundernd auf ihre schönen Haare anspricht, unterstellt sie ihm, sich lustig zu machen. Zu Olgas Ärger neigt sie zudem dazu, sehr schnell zu erröten und Grund dafür hat sie ständig: Dauernd glaubt sie, dass über sie getuschelt wird auch bei harmlosen Scherzen auf ihre Kosten lacht sie nicht mit, sondern schnappt sofort ein. Ihre Freundinnen können damit zwar in aller Regel recht gut umgehen, doch in diesem Band kommt es zunächst zum ernsthaften Zerwürfnis.

Olgas Empfindlichkeit kommt Katrin und Silvy gerade recht bei ihrer Suche nach einer ungeeigneten Klassensprecherin. Sie ahnen allerdings nicht, dass Olga alles daran setzt, um diesen Posten gut auszufüllen und dabei sogar über das Ziel hinausschießt. Fehler werden auf beiden Seiten begangen - von Olgas Freundinnen war es nicht in Ordnung, sie mit Hintergedanken zur Klassensprecherin zu machen, Olga wiederum geht in ihren Bemühungen ein bisschen zu weit. Auf keinen Fall will sie den Posten wieder zurückgeben und sich regulär wählen lassen, zu sehr fürchtet sie etwa die spöttischen Kommentare ihrer Brüder, denen sie stolz von ihrer Wahl erzählt hat. Sie ist allerdings mit der neuen Stellung überfordert und greift zu unangemessenen Methoden, um sich in der Klasse beliebter zu machen. Letztlich lernen junge Leserinnen aus diesem Band beispielsweise, dass man Freundschaften gegenüber einer Klassensprecherposition den Vorzug geben sollte, dass man Freundinnen ihre Erfolge gönnen sollte und dass es keine Schande ist, sich und anderen einzugestehen, wenn man sich mit etwas übernommen hat.

Humorvoll geht es dabei auch zu und die Handlung ist zudem recht spannend. Es ist anfangs nicht absehbar, wohin die Intrige noch führen wird und wie Olga ihre Klassensprecherrolle meistern wird, sobald Probleme auftreten. Für einigen Wirbel sorgt der neue Klassenlehrer Herr Alte. Eigentlich ist er nicht unsympathisch, allerdings haben die Freundinnen dank des Streits im Kino gleich ein schlechtes Bild von ihm und halten ihn für humorlos. Herr Alte kommt zudem von einer Jungenschule und ist ein bisschen irritiert, dass eine Mädchenklasse offenbar in Sachen Frechheiten den Jungs nicht nachsteht. Seine oft etwas unwirsche Art macht es Olga und den anderen nicht leichter, Konflikte zu lösen, denn er ist anfangs alles andere als eine Vertrauensperson. Doch mit der Zeit taut Herr Alte auf und am Ende zeigt sich, dass in ihm doch auch eine sehr freundliche Seite steckt. Witzig sind vor allem die Wortgefechte, die sich der Lehrer, Katrin und Silvy im Unterricht liefern, etwa wenn es sich um die Interpretation des "Heiderösleins" dreht, bei der die Mädchen den Lehrer zur Weißglut bringen.

Denkbar ungünstig ist allerdings der Titel, der ein völlig falsches Bild vom Buch vermittelt. Die anderen vier Bände der Reihe "Die Mädchen von der Parkschule" (Katrin mit großen Klappe, Nur Mut, liebe Ruth, Silvy will die Erste sein und Leonore setzt sich durch) waren zwar recht einfach, aber dennoch treffend in ihren Aussagen. Der "Star der Parkschule" ist Olga allerdings wahrlich nicht, auch wenn sie im Verlauf der Handlung an Reife gewinnt. Der Titel erinnert eher an andere Mädchenromane Marie Louise Fischers, in denen die Protagonistinnen ein paar Jahre älter sind und wo sich die Geschichten um Flirtereien, Jungs und Aussehen drehen - für einen Roman, dessen Protagonistinnen zwölfjährige Mädchen der sechsten Klasse sind, die mit Mode, Beauty und Jungs noch nichts am Hut haben, klingt der Titel reichlich überzogen und weckt falsche Erwartungen. Etwas übertrieben ist zudem das ständige Herumreiten auf Olgas Haarfarbe. Gewiss, als rothaariges Mädchen erreichen einen durchaus mal spöttische Kommentare, allerdings werden Olgas Haare allzu häufig erwähnt und die ständigen Anspielungen darauf seitens ihres Umfelds mit "Rotfuchs", "Laterne" oder "Füchschen" nerven auf Dauer ein wenig.

Generell merkt man dem Buch seit Alter schon an; trotz seines insgesamt unterhaltsamen Inhaltes sind Handlung und Themen teils doch ein wenig bieder: Es ist nicht ganz leicht, nachzuvollziehen, weshalb die Mädchen aus dem Klassensprecheramt solch eine große Sache machen, warum Katrin und Silvy eine Intrige starten, nur um damit die Chance zu erhöhen, im nächsten Jahr wiedergewählt zu werden. Es ist bereits übertrieben, dass Silvy ihr Amt niederlegt, nur weil sie ihrem Klassenlehrer eine freche Antwort gegeben hat, bevor sie wusste, wer er ist. Diese ganzen Dramen, die sich aus der Geschichte entwickeln, scheinen den Anlässen nicht wirklich angemessen zu sein - und erst recht nicht Katrins und Silvys Verhaltensweisen, die doch recht egoistisch sind. Vor allem bei Silvy fragt man sich unwillkürlich wieder einmal, warum sie eigentlich zur Clique gehört, da sie ständig auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist.

Fazit:


Grundsätzlich ein unterhaltsames Buch für Mädchen ab etwa zehn Jahren, das ein wenig altmodisch daherkommt, aber dennoch in Teilen lehrreich und recht spannend ist, wenngleich es in manchen Punkten kritisch zu betrachten ist.

Der kleine Vampir und der rätselhafte Sarg - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
* * * * *

Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Wie befürchtet werden bei Anton Windpocken diagnostiziert. Anton ist darüber alles andere als froh, denn schließlich will er eigentlich so viel wie möglich über den merkwürdigen Igno von Rant herausfinden - den geheimnisvollen Vampir, der mit Rüdigers und Annas Tante Dorothee angebändelt hat und der bei Antons Psychologen Herrn Schwartenfeger eine Lichttherapie absolviert hat.

Anton will unbedingt herausfinden, warum Igno von Rant angeblich nachtblind ist - nach Antons Meinung hat er womöglich Schaden durch die Therapie genommen oder er ist womöglich gar kein echter Vampir. Leider sind ihm Rüdiger und diesmal auch Anna keine große Hilfe. Rüdiger geht mittlerweile alleine zu Herrn Schwartenfeger, wo auch eher das Programm absolviert und Anna findet "Onkel Igno" mittlerweile sehr nett.

Anton setzt seine Hoffnung dagegen auf Olga, die hochnäsige Cousine der beiden, die wieder im Lande ist: Olga verspricht ihm, über Igno von Rant zu recherchieren. Zudem wagt Anton nach seiner Genesung einen heimlichen Abstecher in die "Villa Reinblick", in der Igno von Rant seinen Sarg untergebracht hat ...

Bewertung:


Band Nummer 12 der Kleiner-Vampir-Reihe ist das vierte Buch, das sich um den geheimnisvollen Igno von Rant dreht und allmählich spitzen sich die Ereignisse zu. Eine Tagung des Familienrats der von Schlottersteins steht bevor, auf der beschlossen werden soll, ob Igno von Rant im Rahmen einer "Ehe auf Probe" für eine Weile in die Gruft zieht, damit er und Tante Dorothee sehen können, ob sie sich auch im allnächtlichen Einerlei verstehen. Anton allerdings hat immer mehr Zweifel an Igno von Rant. Vor allem ein erheblicher Widerspruch in dessen Aussage ist ihm aufgefallen: Anna hat ihm berichtet, dass Igno von Rant seine Nachtblindheit dadurch erklärt hat, dass er schon als Kind nächtelang im Sarg gelesen und sich dadurch die Augen verdorben habe. Anna hält dies für glaubwürdig und bezweifelt Antons Vermutung, dass Igno von Rant sich die Augen durch die Lichttherapie verdorben haben könnte - ja, sie glaubt nicht einmal, dass es sich bei "Onkel Igno" wirklich um diesen Patienten handelt und hält Anton für eifersüchtig.

Anton jedoch hat wegen seiner Krankheit nun viel Zeit, um nachzudenken. Dabei fällt ihm auf, dass an Igno von Rants Erklärung zur Nachtblindheit etwas nicht stimmen kann: Wenn er bereits als Kind "nächtelang" im Sarg mit der Taschenlampe gelesen hat, muss er als Kind Vampir geworden sein - dann allerdings wäre er seither äußerlich nicht gealtert. So ist es schließlich auch bei Rüdiger, Anna und Lumpi, die als Kinder bzw Jugendlicher zu Vampiren wurden und und schon seit 150 Jahren unverändert aussehen. Da liegt es natürlich nah, anzunehmen, dass sich Igno von Rant vielleicht einfach verplappert hat. Plötzlich gilt Antons Sorge nicht mehr nur der möglicherweise verhängnisvollen Lichttherapie - sondern er befürchtet, dass Igno von Rant vielleicht gar kein echter Vampir ist.

Ausnahmsweise ist er ganz froh über den unerwarteten Besuch von Olga, die ihm sonst nicht gerade geheuer ist, zumal sie zwar hübsch, aber auch berechnend ist. Im Gegensatz zu Anna und Rüdiger ist Olga, die Igno von Rant noch nicht kennt, empfänglich für Antons Theorie. Sie bezweifelt zwar, dass sich Tante Dorothee von einem Menschen täuschen lassen würde, aber sie ist zumindest überzeugt, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt. Da sie Tante Dorothee sehr nah steht, ist sie gerne bereit, Näheres herauszufinden. Und als schließlich Anna von Olgas Besuch und ihren angekündigten Nachforschungen erfährt, ist sie selbst auf einmal eifrig dabei zu recherchieren, da sie der vermeintlichen Rivalin keinen Triumph gönnt.

Für Spannung ist also allemal in diesem Band gesorgt, wegen der Enthüllungen über Igno von Rant, Antons Herumstöbern in der verfallenen Villa, Olgas überraschendem Besuch und dem angespannten Verhältnis zu Anna. Negativ fällt aber auf, dass keiner der Vampire von selbst den Widerspruch in Igno von Rants Aussage bemerkt. Anton stößt erst darauf, als er in Ruhe über alles nachdenkt, das ist bei ihm auch nachvollziehbar - dass sich aber weder Tante Dorothee noch Anna über diese Aussage wundern, ist nicht verständlich. Zudem verhält sich Rüdiger in diesem Band noch egoistischer als sonst und bei seiner Unleidlichkeit wird sehr dick aufgetragen; in diesem Band ist es wirklich nicht leicht zu verstehen, weshalb Anton überhaupt mit ihm befreundet ist.

Fazit:


Grundsätzlicher sehr lesenswerter Band, der vor allem durch eine spannende Handlung überzeugt, die nahtlos an die drei vorangegangenen Bände anknüpft. Eine seltsame Unlogik gibt es allerdings, dazu ist die Darstellung des kleinen Vampirs in diesem band ziemlich unsympathisch geraten.

12. Mai 2013

Der kleine Vampir und die Klassenfahrt - Angela Sommer-Bodenburg

Produktinfos:

Ausgabe: 2000
Seiten: 128
Amazon
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Die Autorin:

Angela Sommer-Bodenburg wurde 1948 bei Hamburg geboren und lebt seit 1992 in Kalifornien. Bisher sind über 40 Bücher von ihr erschienen, darunter Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Bilderbücher. Ihre Werke wurden in 27 Sprachen übersetzt. Weitere Gruselbücher von ihr neben der Reihe um den kleinen Vampir sind z.B. "Die Moorgeister" und "Wenn du dich gruseln willst". Eine weitere sehr erfolgreiche Buchserie ist die Reihe um den sprechenden Bernhardiner "Schokolowski".

Hintergrund:

Der achtjährige Anton ist ein Vampirfan und liebt gruselige Bücher. Sein bester Freund ist Rüdiger, ein echter kleiner Vampir, der eines Abends auf seinem Fensterbrett saß. Da Rüdiger selbst noch ein Kind ist, freundeten sich die beiden rasch an. Auch Rüdigers kleine Schwester Anna steht Anton sehr nah. Antons Eltern jedoch glauben nicht an Vampire, daher müssen sie sich in ihrer Gegenwart als Menschen ausgeben und ihre nächtlichen Ausflüge mit Anton geheim halten.

Inhalt:

Antons Klasse macht eine Klassenfahrt, leider ausgerechnet mit dem strengen und recht faden Lehrer Herrn Fliegenschneider. Anton hat keine Lust auf diese Fahrt, schließlich bedeutet es, ein paar Tage von seinen Vampirfreunden Rüdiger und Anna getrennt zu sein. Doch es kommt anders - Rüdiger und Anna wollen ihn nachts im Schullandheim besuchen.

Antons hat zudem eine neue Mitschülerin namens Viola. Fast alle Jungs aus der Klasse sind begeistert von dem hübschen Mädchen. Anton allerdings erinnert Viola charakterlich wie optisch an die arrogante Olga, Rüdigers und Annas Cousine. Tatsächlich sieht die blonde, blauäugige Viola Olga sehr ähnlich.

Das bemerkt auch Rüdiger, der Olga immer noch hinterher trauert. Er überredet Anton, ihn mit Viola nachts bekannt zu machen. Anton erklärt Viola, dass Rüdiger ein Schauspieler sei und gerade in einem Vampirfilm mitspiele, damit sie sich nicht über sein Aussehen wundert. Viola ist begeistert von dem angeblichen Schauspieler und Rüdiger ist hingerissen. Allerdings ahnt Anton, dass Viola Rüdiger nur ausnutzt. Zudem besteht ständig die Gefahr, dass die nächtlichen Treffen von Lehrer oder Mitschülern bemerkt werden oder Rüdigers Tarnung auffliegt ...

Bewertung:

Die vergangenen fünf Bände konzentrierten sich auf das Geheimnis von Tante Dorothees Verehrer Igno von Rant und Rüdigers Lichttherapie, die ihm dabei helfen sollte, das Sonnenlicht zu vertragen.

Mit dieser Thematik ist jetzt abgeschlossen und dieser Band greift nur zu Beginn sehr kurz die vergangenen Ereignisse auf - Olga und Tante Dorothee haben fürs Erste die Schlottersteinsche Gruft verlassen und Rüdiger ist doppelt deprimiert - einmal, weil seine angebetete Olga wieder einmal das Interesse an ihm verloren hat und sich lieber zu "Hugo dem Haarigen" begibt und zum anderen, weil er noch unter den letzten Geschehnissen um Igno von Rant und die Lichttherapie zu leiden hat. Die Abstecher zum Schullandheim sollen ihn auf andere Gedanken bringen und das tun sie auch - wenn auch anders als gedacht. Statt Olga verdreht ihm nun Viola den Kopf, die in Sachen Hochnäsigkeit und Selbstverliebtheit dem Vampirmädchen kaum nachsteht.

Für Anton bedeutet die Klassenfahrt also einiges an Aufregung und Stress: Er muss die nächtlichen Ausflüge mit den Vampiren verbergen, Viola dazu bringen, Rüdiger kennen zu lernen und stets darauf achten, dass sich Rüdiger ihr gegenüber nicht verplappert und aus seiner Schauspiel-Rolle fällt. Dazu kommt noch die wieder mal eifersüchtige Anna, die nicht gerade erfreut ist, dass die hübsche Viola offenbar Interesse an Anton zeigt. Spannung gibt es also zu Genüge, vor allem hinsichtlich der Frage, was aus der Bekanntschaft zwischen Viola und Rüdiger wird und ob Anton seine Vampirfreunde vom Rest der Klasse inklusive Herrn Fliegenschneider verbergen kann. Auch abseits der vampirischen Handlung ist die Geschichte recht unterhaltsam mit dem typischen Klassenfahrtflair: Anstrengende Wanderungen, ein spießiger Lehrer, maulende Schüler, kleine Flirtereien und als Höhepunkt die ersehnte Abschlussparty, die, oh Wunder, unter dem Motto "Vampire" begangen wird.

Zu den besten Bände der Reihe zählt das Buch allerdings nicht. Zum einen wirkt die Geschichte um Rüdiger und Viola zu sehr wie ein Aufguss der Olga-Geschichte - Viola erinnert zu sehr an Olga und Rüdiger ist ihr genauso verfallen wie dem Vampirmädchen, das wirkt ein bisschen einfallslos. Zum anderen ist es etwas enttäuschend, dass der Band so gut wie gar nicht an die vorherigen anknüpft und nur wenig darüber enthüllt, was seit dem recht plötzlichen Ende des vorangegangenen Bandes geschah. Anton gelingt es darüber hinaus ein bisschen zu leicht, sich nachts aus dem Schlafsaal nach draußen zu schleichen und mit seinen Vampirfreunden davonzufliegen - schon in den Bänden, die zuhause spielen, fällt immer wieder störend auf, wie viel Glück Anton dabei hat, dass seine nächtlichen Aktivitäten von den Eltern unentdeckt bleiben. Etwas übertrieben ist auch das Gerede über "Beziehungen" innerhalb Antons Klasse, wenn man bedenkt, dass es sich hier immerhin um Grundschüler handelt. Nicht so ganz klar wird außerdem, was Rüdiger eigentlich mit seiner Bekanntschaft zu Viola bezwecken will - dass er ihr nicht ewig vortäuschen kann, ein berühmter Schauspieler zu sein, der gerade an einem Vampirfilm mitwirkt, dürfte ihm bewusst sein.

Fazit:

Recht unterhaltsamer, wenn auch nicht herausragender Band aus der Kleiner-Vampir-Reihe, der vor allem durch Spannung überzeugt, auch wenn die Geschichte um Viola ein bisschen wie ein Aufguss der altbekannten Olga-Thematik wirkt. Lesenswert, auch wenn es bessere Bände in der Reihe gibt.

11. Mai 2013

Der Tod schreibt mit - Rebecca Michéle

Produktfakten:

Ausgabe: 2012
Seiten: 301
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Reisebuchladen Karlsruhe&Heidelberg

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Herzlichen Dank an Goldfinch und Blogg dein Buch zum Bereitstellen des Rezensionsexemplars. 


Die Autorin:

Rebecca Michéle, Jahrgang 1963, heißt eigentlich Ursula Schreiber. Sie arbeitete zunächst als Arzthelferin und bei einer Krankenkasse, ehe sie sich dem Schreiben widmete. Viele ihrer Werke spielen in Großbritannien. "Die Tote von Higher Barton" war der erste Cornwall-Krimi mit Mabel Clarence.

Inhalt:


Mabel Clarence, pensionierte Krankenschwester und Haushälterin bei dem Tierarzt Victor Daniels, hat von ihrer Cousine das Anwesen Higher Barton in Cornwall überlassen bekommen, das inzwischen regelmäßig für Veranstaltungen vermietet wird. Diesmal wird der Autor Clark Kernick dort seinen historischen Roman vorstellen. Als Mabel dem Autor nach der Lesung das vergessene Portemonnaie in sein Cottage bringen will, findet sie den Schriftsteller dort tot vor - erschlagen mit einem Schürhaken.

Polizeiinspektor Warden ist wenig begeistert, dass die rüstige alte Dame erneut in einen Mord verwickelt ist und schärft ihr ein, sich aus den Untersuchungen herauszuhalten. Das kommt für Mabel jedoch nicht in Frage - erst recht nicht, als der alte Hickery als Mordverdächtiger verhaftet wird, den sowohl Mabel als auch Victor für unschuldig halten. Als sich Hickery kurz darauf in Haft umbringt, wird es von der Polizei als Schuldeingeständnis gewertet.

Mabel allerdings ahnt, dass mehr hinter dem Fall steckt. Welche Rolle spielt Hickerys Exfrau, die eine Affäre mit Kernick hatte? Zudem scheint sie nicht die einzige Geliebte gewesen zu sein. Mabel begibt sich auf die Suche nach weiteren Verdächtigen und gerät dabei selbst in Gefahr ...

Miss Mabel ermittelt

Rund ein halbes Jahr, nachdem Mabel Clarence, eine rüstige pensionierte Krankenschwester Anfang sechzig, zum ersten Mal als Amateurdetektivin bewies, stolpert sie erneut über eine Leiche - mehr oder weniger im Sinn des Wortes. Was folgt, ist eine aus kriminalistischer Sicht recht konservative und nicht allzu komplexe Handlung, die aber durch liebenswerte Protagonisten überzeugt.

Nicht erst wenn Victor Daniels selbst Mabel scherzhaft mit "Miss Marple" anredet wird der Zusammenhang zwischen den beiden Figuren offenkundig: Mabel Clarence erinnert doch recht stark an die Figur Agatha Christies, wohlgemerkt vor allem an die filmische Darstellung durch Margaret Rutherford. Mabel ist eine charmante, kluge, aber auch recht eigensinnige alte Dame, die es nicht lassen kann, sich in Kriminalfälle einzumischen, erst recht nicht bei Mord. Ganz wie in den Miss-Marple-Filmen gibt es auch hier einen Inspector, der ihre Einmischungen ungern sieht, auch wenn er sich eingestehen muss, dass Mabel tatsächlich über eine gute Kombinationsgabe verfügt. Wer den ersten Band der Reihe noch nicht gelesen hat, wird hier knapp über die wichtigsten Fakten zur Ausgangslage informiert: Mabel hat von ihrer Cousine das altehrwürdige Herrenhaus Higher Barton überlassen bekommen und ist finanziell eigentlich unabhängig - mehr aus Lust an einem Zeitvertreib hat sie die Stelle als Haushaltshilfe beim Tierarzt Victor Daniels angenommen, der erneut ihr Kompagnon in Sachen Mordermittlungen wird. Victor Daniels wiederum ist ein etwas brummiger Junggeselle - stoffelig, oft barsch und kurz angebunden gegenüber seinen Mitmenschen, dafür umso herzlicher gegenüber Tieren. Mabel allerdings weiß, wie sie den knurrigen alten Knaben zu nehmen hat und lässt sich durch seine eigenbrötlerische Art nicht abschrecken. Mabel und Victor sind ein sympathisches Detektivgespann, das sich gut ergänzt und schnell die Herzen der Leser gewinnt.

Der Fall selbst ist recht spannend, wenngleich kein Hochgenuss der Krimikunst. Eine ganze Weile ist offen, wer den Autor ermordet hat und aus welchem Grund. Seine vielen Affären und zynischen Äußerungen über die ehemaligen Geliebten liefern Gründe genug, sowohl für die verletzten Frauen als auch für deren Ehemänner. Allerdings könnte auch sein posthumer Verkaufserfolg eine Rolle spielen und Mabel fragt sich, wer von den enormen Verkaufszahlen seines Historienromans am meisten profitiert - der Verlag oder eventuelle Angehörige? Des Rätsels Lösung ahnt der Leser schließlich einige Seiten vor der Enthüllung, eine spezielle Andeutung verrät ein bisschen zu viel. Zudem fällt hin und wieder störend auf, dass der Erzähler bestimmte Aussagen oder Reaktionen der Figuren unnötig detailliert kommentiert - oft würde es genügen, bestimmte Sätze einfach für sich selbst stehen zu lassen, anstatt noch weitschweifig zu erklären, was die betreffende Figur nun genau denkt; das Offensichtliche wird das eine oder andere Mal zu deutlich ausgeführt. Letztlich hätte man sich auch den wörtlichen Miss-Marple-Vergleich sparen können, die parallelen zwischen den Figuren sind ohnehin schon auffällig genug - vielleicht handelt es sich hier aber auch einfach um eine selbstironische Anspielung seitens der Autorin.

Fazit:

Ein insgesamt solider und lesenswerter Krimi aus Cornwall, der vor allem dank der sympathischen Hauptfiguren gut unterhält. Die Kriminalhandlung ist nicht übermäßig raffiniert, dennoch wird durchaus die Neugier auf weitere Bände der Reihe geweckt.

3. Mai 2013

Die Straße zwischen den Welten: John Franklins Suche nach der Nordwest-Passage - Christa-Maria Zimmermann

Produktinfos:

Ausgabe: 2007
Seiten: 299
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Die Autorin:

Christa-Maria Zimmermann, geboren 1943 in Oberösterreich, studierte zunächst Kunstgeschichte und Geschichte und arbeitete später als Redakteurin. Nach der Geburt ihrer Kinder konzentrierte sie sich auf das Schreiben Kriminalromanen sowie historischen Kinder- und Jugendbüchern. Weitere Werke sind u.a. "Hundert Tage bis Lhasa", "Die Nacht, als die Titanic sank" und "Der Königsraub am Rhein".

Inhalt:

London, 1854: Der 14-jährige Matti lebt in armen Verhältnissen, sein alkoholabhängiger Vater schlägt sich in der Konservenfabrik als Arbeiter durch, seine Mutter ist tot. Nach einem harten Arbeitstag verhindern sie einen Überfall auf den zwölfjährigen Christopher - Mattis Vater kommt dabei ums Leben. Aus Dankbarkeit für die Rettung nimmt Chris' wohlhabende Familie Matti bei sich auf und die beiden Jungen schließen rasch Freundschaft.

Durch Chris erfährt Matti von der bevorstehenden Expedition des legendären John Franklin, der mit den beiden gewaltigen Schiffen "Erebus" und "Terror" die Nordwestpassage finden und durchqueren will. Chris ist stolz darauf, einen Platz als Schiffsjunge bekommen zu haben und zu seiner Freude darf auch Matti mitfahren. Bald darauf brechen die beiden Schiffe in die Arktis auf.

Am Anfang der Reise sind alle an Bord optimistisch, auch den ersten Sturm meistern sie gut. Schließlich müssen sie jedoch feststellen, dass ihre vorgesehenen Routen eingefroren sind - die Schiffe werden zur Überwinterung gezwungen. Aufgrund der vielen Vorräte scheint dies zunächst kein Problem zu sein, doch dann gibt es erste Todesfälle und die Stimmung an Bord wendet sich ...

Die Franklin-Expedition im Jugendgewand

Viel ist über die dramatische Franklin-Expedition geschrieben worden, bei der Mitte des 19. Jahrhunderts zwei Schiffe mit knapp 130 Mann Besatzung im ewigen Eis des Nordpols verschwanden, nicht zuletzt Dan Simmons' großartige Historik-Horror-Variante Terror.

Vereinzelte Leichen- und Lagerfunde, zwei Nachrichten und Inuitberichte geben ein vages Zeugnis darüber ab, was sich damals in den Jahren nach der Abreise der "Erebus" und der "Terror" in der Arktis abgespielt haben muss. Das Scheitern einer so modern angelegten Expedition unter dem erfahrenen Kommandanten John Franklin und das grauenhafte Ende der Männer, das in Kannibalismus mündete, bewegen noch heute die Gemüter und bieten durchaus auch für einen Jugendroman in vereinfachter Form einen packenden Stoff - in allen Belangen kann das Werk dennoch nicht überzeugen.

Es dauert eine Weile, bis die Expedition überhaupt startet, doch die Vorgeschichte ist nicht unwichtig, um die beiden Hauptfiguren besser kennen zu lernen. Matti und Chris kommen aus unterschiedlichsten Verhältnissen, dennoch werden sie schnell gute Freunde und bewähren sich auch als die beiden Jüngsten unter den Seeleuten an Bord. Besonderen Reiz haben die Tagebucheinträge von Chris, die immer mal wieder in die Handlung eingeschoben werden und eine gute Ergänzung zu den Geschehnissen bilden. Der historische Hintergrund ist auf ein für junge Leser verständliches Maß zusammengekürzt, ebenso werden sämtliche Seefahrtsausdrücke gut erklärt.

Überzeugend gestaltet die Autorin den Übergang von optimistischer Stimmung zu allmählichem Zweifel: Neujahrsmorgen 1846 stirbt ein Heizer, was die Mannschaft zwar erschüttert, doch nicht weiter beunruhigt, da er offenbar schon krank die Expedition angetreten hat. Die nächsten beiden Todesfälle lassen jedoch nicht lange auf sich warten und diesmal reagieren die Männer unruhiger. Es drängt sich der Verdacht auf, dass mit den Konserven etwas nicht stimmt - und Matti, der in genau jener Fabrik mit seinem Vater gearbeitet hat, kann sich sogar an fatales Gespräch diesbezüglich erinnern, das nun für dramatische Folgen sorgen könnte. Einer der dramatischsten Zwischenfälle ist schließlich der Tod von John Franklin, dem Mann, der allen Männern stets Zuversicht eingeflößt hat, auch wenn sich die Expedition als schwieriger erwies als gedacht. Es gelingt der Autorin recht gut, die fiktiven Schicksal der beiden Jungen in die historische Situation einzufügen. Auch wenn der Ausgang der Expedition bekannt sein sollte, verleihen Matti und Chris der Handlung zusätzliche Spannung, da nicht gewiss ist, ob es zumindest für sie ein gutes Ende gibt.

Aber auch für einen Jugendroman für Leser ab etwa zwölf Jahren ist das Werk ein bisschen zu oberflächlich geraten. Außer John Franklin erhält kaum einer der Männer an Bord ein wirkliches Profil, gerade Charaktere wie Francis Crozier, der nach Franklins Tod das Kommando übernahm, hätten eine etwas nähere Betrachtung verdient. Zu den Mankos zählt auch, dass entscheidende Ereignisse am Ende der Expedition hier kaum beleuchtet werden, da sich Matti und Chris gemeinsam mit ein paar anderen vom Rest vorübergehend trennen, um auf die Jagd zu gehen und so bei der Rückkehr vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Auch wenn die Jagdereignisse nicht uninteressant sind, wäre es reizvoller gewesen, die Geschehnisse beim Lager zu verfolgen. Letztlich kommt das Ende etwas zu plötzlich und ist zwar vom Grundgedanken her gut, aber zu knapp ausgeführt. Es macht mehr neugierig, als dass es befriedigt und ist nicht ganz so wirkungsvoll, wie es die Thematik verdient hätte.

Fazit:


Ein insgesamt unterhaltsamer und spannender Jugendroman, der die wahre Geschichte der Franklin-Expedition altersgemäß umsetzt. Allerdings hält das Buch nicht alles, was die Thematik verspricht und schwächelt in ein paar Belangen, dennoch auf alle Fälle lesenswert, nicht nur für Jugendliche.