24. Juni 2013

Die zweite Herzogin - Elizabeth Loupas

Produktinfos:

Ausgabe: 2011
Seiten: 448
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Die Autorin:

Elizabeth Loupas arbeitete vor ihrer Karriere als Autorin als Redakteurin, Werbetexterin, Marketingleiterin und Lehrerin für Englische Literatur. Weiteres Werk von ihr: "Die Blumenleserin".

Inhalt:

Das italienische Herzogtum Ferrara, 1565: Die Erzherzogin Barbara von Österreich, Tochter des Kaisers, ist bereits 25, als sie aus politischem Kalkül mit dem Herzog von Ferrara verheiratet wird. Sie ist die zweite Ehefrau von Alfonso II d'Este, nachdem seine erste Frau Lukrezia de Medici schon nach kurzer Zeit verstarb. Noch vor ihrer Hochzeit hört Barbara Gerüchte, dass Alfonso seine junge Frau seinerzeit vergiftet haben soll.

Der Herzog erweist sich zunächst als attraktiver und charmanter Mann. Doch schon bald muss Barbara erfahren, dass er auch eine sehr berechnende und brutale Seite an sich hat. Dazu begegnen ihr seine beiden Schwestern feindselig und überall am Hof scheinen Intrigen zu lauern. Ihr einziger Halt sind ihre drei Zofen aus Österreich, denen sie freundschaftlich verbunden ist.

Während sich Barbara bemüht, in Ferrara heimisch zu werden, erfährt sie immer beunruhigendere Dinge über die verstorbene Lukrezia de Medici. Immer wahrscheinlicher wird es, dass die junge Frau tatsächlich vergiftet wurde - und Alfonso ist unter denjenigen, die ein Motiv gehabt hätten. Auch wenn sie sich dabei in Lebensgefahr begibt, versucht Barbara, die Wahrheit herauszufinden ...

Bewertung:

Mit dem Schicksal Barbaras von Österreich nimmt sich US-Autorin Elizabeth Loupas eines interessantes Themas an, das sie den hohen Erwartungen entsprechend überzeugend umsetzt. Barbara von Österreich, die hier zu Beginn des Buches zur Herzogin von Ferrara wird, berichtet rückblickend als Ich-Erzählerin über die Anfangszeit ihrer Ehe und die Intrigen am Hof. Der Leser identifiziert sich schnell mit der - nach damaligen Maßstäben - nicht mehr ganz jungen Frau, die intelligent und entschlossen, aber auch in realistischer Weise immer wieder unsicher erscheint. Barbara ist keine schöne Frau, nicht umsonst erhält sie schnell den spöttischen Spitznamen "Pferdegesicht" - bis auf ihre wallenden, rotblonden Haare, die ihr Markenzeichen sind. Barbara ist sich bewusst, dass ihre Ehe aus politischen und gesellschaftlichen Gründen geschlossen wird, nachdem eine Hochzeit des Herzogs mit ihrer Schwester Johanna scheiterte. Dennoch ist sie zunächst gewillt, ihrem fremden Ehemann eine gute Frau zu sein - und dieses Vorhaben wird bald auf eine harte Probe gestellt.

Der Roman vereint das reizvolle Porträt einer interessanten historischen Figur mit kriminalistischen Zügen. Von der ersten Seite an dreht sich die Handlung immer wieder um die Frage, wie Lukrezia de Medici, die blutjunge Braut des Herzogs, vor drei Jahren ums Leben kam - war es tatsächlich Mord und ist vielleicht sogar der Herzog selbst ihr Mörder? Barbara ist aus mehreren Gründen entschlossen, das Geheimnis aufzuklären. Zum einen berührt sie das Schicksal ihrer Vorgängerin, zum anderen will sie für sich selbst Klarheit, ob sie womöglich mit einem Mörder verheiratet ist. Der Roman hält auch für Kenner des historischen Hintergrundes durchaus einige überraschende Momente bereit - eine hundertprozentige Aufdeckung jener Ereignisse um Lukrezia de Medici darf der Leser freilich nicht von der Lektüre erwarten; Elizabeth Loupas hat ihre Phantasie spielen lassen und ein vorstellbares, aber nicht zwangsläufig wahrheitsgetreues Szenario geschaffen. Die Charaktere werden von ihr großzügig interpretiert, viele Szenen wird man nicht in Biographien wiederfinden und wer sich ein konkretes Bild über die Personen machen will, muss Sachbücher zu Rate ziehen.

Gelungen ist überdies die Darstellung des Herzogs von Ferrara. Alfonso begegnet seiner Frau zunächst mit einem gewissen Charme und weiht sie behutsam in die Freuden der Liebe ein. Allerdings zeigt sich schon bald, dass er unbedingten Gehorsam erwartet und in Rage äußerst brutal werden kann. Im späteren Verlauf differenziert sich sein Charakter erneut und präsentiert ein durchaus vielschichtiges Bild eines Mannes, bei dem sowohl dem Leser als auch seiner Ehefrau lange Zeit unklar ist, inwieweit man ihm trauen darf. Für schöne Momente sorgen Barbaras Damen aus Österreich, ihre Zofen Katharina, Christine und Sybille, "Wir drei", wie sie sich nennen. mit denen sie seit Kindertagen befreundet ist.

Originell, allerdings anfangs auch ein wenig gewöhnungsbedürftig ist die Einbindung des Geistes der verstorbenen Lukrezia de Medici, der sich immer wieder in kurzen Kapiteln zu Wort meldet. Lukrezia ist immobila, gefangen in einer Art Zwischenwelt zwischen Diesseits und Jenseits und nimmt als passive Beobachterin am Hofleben teil. Sie kommentiert mal zynisch und mal verzweifelt die Geschehnisse und vor allem ihre Nachfolgerin Barbara, die sie in Anlehnung an deren längliches Pferdegesicht spöttisch "La Cavalla" nennt. Dank dieses Kunstgriffs erscheint Lukrezia als interessanter Charakter, obwohl sie zum Zeitpunkt der Handlung bereits verstorben ist.

Etwas ärgerlich ist ein Fehler im Klappentext, der aus Lukrezia de Medici kurzerhand Lukrezia Borgia macht. Die bekannte und berüchtigte Lukrezia Borgia war allerdings mitnichten die Ehefrau des Herzogs, sondern seine Großmutter. Im Buch selbst taucht diese Verwechslung glücklicherweise nicht auf.

Fazit:


Gelungener Historienroman mit kriminalistischem Einschlag, souverän geschrieben und mit interessanten Charakteren aufwartend. Der Leser sollte sich allerdings bewusst sein, dass die Handlung nicht rein auf Fakten beruht, sondern spekulative Wege einschlägt.

21. Juni 2013

Das Geheimnis des goldenen Salamanders - Reneé Holler

Produktinfos:

Ausgabe: 2013
Seiten: 299
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Herzlichen Dank an den Bloomoon-Verlag und Blogg dein Buch für das Rezensionsexemplar. 

Die Autorin:

Renée Holler, Jahrgang 1956, wuchs in München auf und studierte zunächst Ethnologie und Geografie und bereiste viele Teile der Welt. Neben ein paar Büchern für Erwachsene schreibt sie vor allem Kinder- und Jugendbuchromane. Sie veröffentlichte zahlreiche Bände in den Kinderkrimi-Reihen "Tatort Geschichte", "Tatort Erde" und "Tatort Forschung". Mittlerweile lebt sie in Oxford.

Inhalt:

England, 1619: Die zwölfjährige Alyss steckt in großen Schwierigkeiten, nachdem ihr geliebter Vater von einer Schiffsreise in die Neue Welt nicht zurückgekehrt ist. Als Vormund wurde ein entfernter Verwandter bestimmt, der nur Interesse am Erbe hat. Zufällig belauscht das Mädchen ein Gespräch und erfährt, dass ihr Onkel sie einem Kinderhändler ausliefern will. Sein Ziel ist ein kleiner goldener Salamander, der aus Alyss unbekannten Gründen sehr wertvoll ist.

Genau jenen Salamander gab ihr ihr Vater vor seiner Abreise. Wenn sie in Schwierigkeiten sei, solle sie bei seinem Freund Sir Christopher in London Hilfe suchen - und den Salamander als Erkennungszeichen vorweisen. Als Junge verkleidet tritt Alyss die Flucht nach London an.

Doch zu ihrem Unglück wird ihr das Schmuckstück in der Stadt gestohlen. Täter ist der gleichaltrige Straßenjunge Jack, Mitglied einer Bande von Taschendieben. Mit Hilfe einer Gruppe von Zirkusleuten kann Alyss ihn zwar finden, doch der Salamander hat bereits den Besitzer gewechselt. Zudem ist Alyss Onkel ihr bereits auf den Fersen und Sir Christopher ausgerechnet jetzt verreist. Jack hat unterdessen selbst Probleme - sein kleiner Bruder Ned ist spurlos verschwunden. Notgedrungen tun sich Alyss und Jack zusammen und versuchen, sowohl den Salamander als auch Jacks Bruder zu finden ...

Unterhaltung im Dickens-Style

Eine Diebesbande aus Kindern, ein Wanderzirkus mit Kuriositätenkabinett, das turbulente und schmutzige London des 17. Jahrhunderts, Bösewichte und Intrigen bilden den Hintergrund für diesen spannenden Kinder- und Jugendroman, in dem sich die Protagonisten Alyss und Jack behaupten müssen. Ganz gewiss hat sich Autorin Renée Holler dabei von Charles Dickens inspirieren lassen - nicht umsonst wird auf ihrer Homepage damit geworben, dass sich das Buch "an alle Fans von Oliver Twist" empfiehlt. So sind es denn auch sehr bewährte Zutaten, auf die sie in ihrem Werk zurückgreift, die nichtsdestotrotz für vergnügliche Unterhaltung sorgen.

Wirklich tiefgehende Charakterisierungen bieten sich dem Leser zwar nicht, aber dennoch ist Hauptfigur Alyss auf Anhieb sympathisch. Das Schicksal meint es auch alles andere als leicht mit dem Mädchen: Nach dem frühen Tod der Mutter waren ihr Vater und die großväterlichen Gutsverwalter Thomas und Beth ihr Halt - doch nun ist ihr Vater spurlos verschwunden und höchstwahrscheinlich tot. Thomas und Beth wurden vom gemeinen Onkel Humphrys entlassen. Alyss einzige Chance ist Vaters Freund Sir Christopher - doch der ist erstens verreist und zweitens braucht sie den goldenen Salamander, um sich ausweisen zu können. Die straff gespannte Handlung dreht sich im Wesentlichem um das Rätsel, weshalb der goldene Salamander für Onkel Humphrys so wichtig ist, ob Alyss ihn wiederfindet, ob Sir Christopher ihr helfen kann und schließlich auch, was mit Jacks kleinem Bruder geschehen ist, der womöglich in die Hände gefährlicher Kinderfänger gefallen ist. Jacks Charakter entspricht dem typischen kindlichen Dieb, der unter einer rauen Schale durchaus ein weiches Herz besitzt. Sein Leben ist hart und auf den ersten Blick hat er nicht viel mit der begütert aufgewachsenen Alyss gemeinsam, doch das Schicksal schweißt sie zusammen.

Liebenswerte Nebencharaktere finden sich beim Wanderzirkus, insbesondere der angebliche Kannibale Sassa und die kleinwüchsige Aurelia. Abschweifungen erlaubt sich die Handlung nicht, ständig passiert etwas Neues; mehrfach glaubt Alyss, in Sicherheit zu sein, um dann doch wieder in eine brenzlige Lage zu kommen. Humor und Dramatik halten sich die Waage; gerade für junge Leser ab etwa zehn Jahren wird zwar einiges an Nervenkitzel geboten, doch witzige und auch rührende Momente gleichen das wieder aus und sorgen dafür, dass Kinder nicht überfordert werden. Eine gelungene Ergänzung bilden die detaillierten Bleistiftzeichnungen, die sich sich teilweise bis auf die zweite Seite erstrecken.

Zu den kleinen Schwächen gehört sicherlich der Eindruck, die Geschichte setze sich vorwiegend aus altbewährten Versatzstücken zusammen. Nicht nur an Charles Dickens, auch Werke wie "Die wunderliche Reise von Oliver und Twist", Hannah Tintis "Die linke Hand" oder "Tom Sawyer" kommen unweigerlich in den Sinn, auch wenn sie sicher nicht unbedingt bewusst Pate gestanden haben. Eine kleine Unlogik stört zwischendrin den Lesefluss: Alyss lässt den Zettel mit Sir Christophers Anschrift zuhause und prägt sich die Daten lediglich ein, ohne dass eine genaue Begründung dafür gegeben wird - im Gegenzug findet ihr Onkel den Zettel und kommt ihr damit natürlich auf die Spur, was recht gekünstelt wirkt. Alyss fragt sich daraufhin, wie sie so dumm sein konnte und dem Leser ergeht es ähnlich. Zudem hätte der Beginn des Buches noch ein bisschen geschickter gestaltet werden können: Die Handlung steigt in medias res ein und erst nach und nach erfährt der Leser, in welchen Verhältnissen Alyss lebt und was mit ihrer Familie passiert ist. Der Rückblick zu ihrem verschwundenen Vater und den entlassenen Gutsverwaltern wirkt etwas gedrängt und die Bedeutung dieser Ereignisse kommt nicht so recht zur Geltung. Zeitweise wird der Zufall ein bisschen überstrapaziert, etwa wenn Figuren nur durch glückliche Umstände heimlich wichtige Gespräche belauschen und gewarnt sind. Alles in allem halten sich diese Schwächen aber sehr in Grenzen.

Fazit:

Ein insgesamt sehr überzeugender Kinderroman ab etwa zehn Jahren, der sich auch für Jugendliche und Erwachsene gut lesen lässt. Die Handlung liest sich kurzweilig und überzeugt durch Spannung und Humor. Trotz kleiner Schwächen sehr lesenswert und ideal für alle, die Lektüre à la "Oliver Twist" mögen.

Graf Duckula - Igors Horrorstunde

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Inhalt:

Igor trauert den alten Zeiten nach, in denen der Ururgoßvater des Grafen noch lebte. Damals kamen oft Gäste über Nacht ins Schloss, wo Igor und sein Herr ihnen grausige Streiche spielen konnten. An einem verregneten Abend scheint sein Traum wahr zu werden: Das junge amerikanische Ehepaar Donald und Susan hat eine Autopanne. Die beiden wurden vom überfüllten Gasthaus ins angebliche Schlosshotel geschickt.

Duckula ist gerne bereit, die beiden über Nacht aufzunehmen. Igor erst recht - denn jetzt kann er endlich wieder all die schönen Folterinstrumente benutzen, wie die Falltür zum Werwolfkeller, den herabstürzenden Kronleuchter und die eiserne Jungfrau.

Allerdings gibt es dabei ein paar unvorhergesehene Komplikationen und es läuft längst nicht alles wie geplant. Auch Graf Duckula findet die Gäste mit der Zeit etwas anstrengend, denn Susan ist sehr redselig und ihr Mann etwas zu sehr auf Mathematik versessen ...

Bewertung:


"Igors Horrorstunde" ist zweifellos eine der besten Folgen der Reihe. Ausnahmsweise hat Igor Grund zum Optimismus, als zwei Gäste auf Schloss Duckula eintreffen und er in alten Zeiten schwelgen kann. Wie schön war es mit dem Urahn des Grafen, wenn sie ahnungslose Besucher folterten und in Angst und Schrecken versetzten, wofür es auf dem Schloss eine reiche Auswahl an Utensilien gibt. Der jetzige Graf Duckula will bekanntlich nichts von vampirischem Treiben oder Folterspaß wissen, was Igor stets aufs Neue verdiest. Während der Graf nichts von Igors Vorhaben ahnt, soll Emma dem Butler assistieren, was natürlich nicht so verläuft wie geplant - Emma ist zwar hilfsbereit, aber geistig äußerst träge und daher alles andere als eine Hilfe.

Zudem muss Igor mehrfach feststellen, dass an den Geräten, die einst so teuflisch ausgeklügelt funktionierten, mittlerweile auch der Zahn der Zeit genagt hat und sie nicht mehr zuverlässig ihren Dienst leisten. Sehr gelungen ist diese Kombination aus Grusel und Humor, wenn man die ganzen Folterinstrumente und andere bösartige Gerätschaften sieht und diese wiederum versagen oder sogar Igor selbst in Bredouille bringen. Die unheimliche Atmosphäre mit Gewitternacht und Finsternis, in der sich das junge Pärchen in der einsamen Gegend verirrt, wird sehr überzeugend vermittelt. Susan und Donald bilden eine herrliche Parodie auf amerikanisches Klischeepärchen - interessiert an allem Nostalgischem, redselig und jovial. Susan besitzt eine große Familie, die ihr sehr wichtig ist und über die sie gerne stundenlang redet - sehr zu Duckulas Missvergnügen, denn er langweilt sich bei den Familienanekdoten fast zu Tode. Das Highlight ist Donalds Begeisterung für Mathematik. Er hat die Zahl Pi bis auf 15.000 Stellen hinter dem Komma berechnet und kann diese natürlich auch auswendig. Bei der Demonstration seines Könnens fällt er in eine Trance, die laut seiner stolzen Frau ein bis zwei Tage anhält und in der er ununterbrochen die Zahlen aufsagt, während er wie ein Schlafwandler umherläuft.

Fazit:

Eine sehr gute Episode, die zu den besten der Serie gehört. Die Hörer (Hörspiel) bzw Zuschauer (TV-Serie) bekommen Witz und Spannung geboten, die Sprecher sind ausnahmslos sehr gut.

Sprechernamen:

Graf Duckula: I. Richter
Igor: D. Arthur
Emma: H. Neugebauer
Erzähler: E. Arent

14. Juni 2013

Bibi Blocksberg - Der verrückte Staubsauger

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Inhalt:

Bibi und ihre Hexenfreundin Flauipaui sind ganz aufgeregt: Im Elektromarkt "Jupiter" gibt es eine Autogrammstunde der Band "Höhenflug", von der die beiden begeistert sind; vor allem auf Sänger Rick freuen sie sich. Aber leider ist die Anmeldeliste bereits voll, als sie ankommen. Aus Frust hexen die beiden im Laden herum und richten versehentlich ein Chaos an. Bibis Mutter sorgt dafür, dass sie als Entschädigung im Laden aushelfen müssen.

Bibi und Flauipaui sind davon zwar zunächst nicht begeistert, aber dann haben sie doch schnell Spaß an der Sache. Der nette Verkäufer Harry erklärt ihnen ihre Aufgabe - Produkte in die Regale räumen. Dabei bleibt es allerdings nicht lange: Als Bibi und Flauipaui ein Verkaufsgespräch von Harry mithören, helfen sie ihm mit Hexerei, damit er Erfolg hat.

Und damit ist noch längst nicht Schluss mit der Hexerei - auch in der Computerspielabteilung und bei den defekten Geräten mischen die beiden fleißig mit. Sie sorgen nicht nur für einige lustige Turbulenzen, sondern machen sich damit auch sehr nützlich ...

Bewertung:


Es ist kein Zufall, dass der Neustädter Elektromarkt "Jupiter" heißt - denn bei dieser Episode handelte es sich ursprünglich um eine Sonderfolge für "Saturn" (die inzwischen auch in der regulären Reihe eine Nummer erhalten hat). Dementsprechend spielt die Geschichte zum größten Teil in jenem Elektromarkt, übertreibt es aber nicht mit der Werbung.

Leider dauert es ein paar Minuten, ehe die Handlung wirklich in Schwung kommt, denn anfangs ist die Geschichte überwiegend albern. Dass Bibi und Flauipaui Fans der Band "Höhenflug" sind, stört an sich nicht, ihre schmachtenden Seufzer und ihre Schwärmereien über den "super-toll aussehenden" Sänger Rick sind allerdings doch ziemlich kindisch und nervig; vor allem zu Bibi passt dieses extreme Fangehabe nicht so recht. Besser gelöst war es seinerzeit in "Das Lufttaxi", wo Bibi ja auch für den Sänger Rocky Stone schwärmte, allerdings dezenter. Es ist auch keine Folge, die wirklich spannend oder aufregend ist, denn die Handlung ist recht simpel und lässt sich mit "Bibi und Flauipaui sorgen für lustige Hexereien im Elektromarkt" gut zusammenfassen - daher natürlich kein Vergleich zu den vielen dramatischen Folgen, in denen Bibi in richtige Abenteuer versetzt wurde.

Trotzdem ist die Folge insgesamt gut gelungen, da sie durch witzige Einfälle und sehr gute Sprecher überzeugt und eine zwar einfache, aber unterhaltsame Handlung bietet. Bibi kann natürlich wieder mal nicht auf das Hexen verzichten, setzt es aber nützlich ein und bringt beispielsweise einige Elektrogeräte zum Sprechen: Der eloquente Kühlschrank überzeugt eine beeindruckte Kundin mit seinen Fähigkeiten, Toaster, Handy und Wecker erklären, warum sie nicht mehr funktionieren, und eine Computerspielfigur erwacht zu Leben und erläutert einer besorgten Mutter genau, worum es in seinem Spiel geht. Bei diesen Szenen mit den Elektrogeräten kommen Erinnerungen an den Zeichentrickfilm "Der tapfere kleine Toaster" hoch, möglicherweise ein Zufall.

Es gibt ein paar augenzwinkernde Anspielungen auf übertriebene Technikfixiertheit von Kunden, und es wird vermittelt, dass man es mit Streichen nicht übertreiben soll, ansonsten liegt der Fokus aber weniger als sonst auf bestimmten Lehren. Ein bisschen logikschwach ist Bibis Kühlschrank-Hexerei, so schön sie auch anzuhören ist - man fragt sich, ob der Kühlschrank denn auch dauerhaft sprechen wird (was unwahrscheinlich ist, da die meisten dieser Hexsprüche nur kurzzeitige Effekte zeitigen) und ob es die Kundin dann nicht im Nachhinein frustrieren wird. Zudem passt der Titel nicht so ganz, denn der "verrückte Staubsauger" ist nur der Aufhänger dafür, dass Bibi und Flauipaui im Elektromarkt aushelfen müssen, und spielt danach keine Rolle mehr.

Die Sprecher sind ausgesprochen gut besetzt. Auch wenn man Hallgard Bruckhaus, der jahrzehntelangen Stimme von Barbara Blocksberg, noch etwas hinterhertrauert, macht ihre Nachfolgerin Gabriele Streichhahn ihre Sache zumindest soweit gut. Absolutes Highlight ist diesmal Stefan Kaminski, der jeweils die durch Hexerei zu Leben erweckten Elektrogeräte spricht: so etwa den charmanten Kühlschrank, der zeitweilig in ein beinah erotisches Flüstern verfällt und die hingerissene Kundin mit Leichtigkeit umgarnt, das kraftlos hauchende Handy, dessen Akku ständig leer telefoniert wird, und den wegen seiner Schwerhörigkeit energisch plärrenden Wecker - allein diese Szenen sind im Grunde schon den Kauf der Folge wert und sorgen für einige zauberhaft witzige Momente.

Eine freudige Überraschung ist die Mitwirkung von Frank Schaff, der schließlich in den ersten sieben Bibi-Folgen noch als ihr jüngerer Bruder Boris mit dabei war. Boris wurde danach nur noch einmal erwähnt mit der Erklärung, dass er jetzt wegen seines chronischen Hustens bei den Großeltern an der Nordsee lebt, und auf diese Weise aus der Serie geschrieben - nicht wenige Bibi-Fans vermissen seine Rolle, und es ist zumindest mal aus nostalgischen Gründen schön, dass sein Sprecher in einer Bibi-Folge mitmischt. Darüber hinaus ist Frank Schaff generell ein hervorragender Sprecher, der ja auch bei Benjamin Blümchen viele Jahre lang einen sehr guten "Otto" darstellte. Santiago Ziesmer darf mal wieder als eine skurrile Nebenfigur mitwirken, seine hohe, comichafte Stimme, die man von Spongebob und anderen Zeichentrickfiguren her kennt, prädestiniert ihn für solche Rollen - hier ist er die Computerspielfigur "Zwerg Blaumütze", die von Bibi spontan zu Leben erweckt wird. Melanie Hinze ist an sich eine sehr gute Sprecherin und passt zur mädchenhaften Flauipaui, spricht sie allerdings wie üblich ein bisschen zu übertrieben zaghaft-kindlich.

Fazit:

Ein gutes, wenn auch nicht überragendes Hörspiel der Bibi-Blocksberg-Reihe, das vor allem durch sehr gute Sprecher und einige witzige Szenen überzeugt. Die Handlung könnte spannender sein, und der Anfang ist ein bisschen schleppend und leicht albern, aber insgesamt ist die Folge auf alle Fälle hörenswert und sehr amüsant.

Sprechernamen:


Bibi Blocksberg : Susanne Bonasewicz
Barbara Blocksberg : Gabriele Streichhahn
Flauipaui : Melanie Hinze
Filialleiter : Viktor Neumann
Harry : Frank Schaff
Zwerg Blaumütze : Santiago Ziesmer
Elektrogeräte : Stefan Kaminski
Erzähler : Günther Schoß

10. Juni 2013

Bibi und Tina - Der geheimnisvolle Falke

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Inhalt:

Beim Wettreiten durch den Wald finden Bibi, Tina und Alex einen verletzten Graufalken. Alex fällt ein, dass Förster Buchfink einen Falknerschein besitzt, und die drei bringen den Vogel zu ihm. Förster Buchfink stellt fest, dass der Falke zum Glück nur leicht verletzt ist. Außerdem handelt es sich um ein Weibchen, das offenbar abgerichtet wurde.

Der Falke, den Bibi spontan "Diana" tauft, muss also seinem Besitzer entflogen sein. Merkwürdig ist allerdings, dass in Falkenstein und Umgebung keine Falknerei bekannt ist. Zur Freude von Bibi, Tina und Alex scheint Diana Gefallen an ihnen und Förster Buchfink gefunden zu haben. Sie bleibt immer in ihrer Nähe und erweist sich als sehr klug und gelehrig. Wenn es nach den Freunden ginge, würde Diana für immer bei Förster Buchfink bleiben.

Zu ihrer Enttäuschung aber meldet sich bald der Eigentümer des Falken. Den dreien ist er sofort unsympathisch, und sie glauben, dass Diana gute Gründe hatte, ihm wegzufliegen. Noch entsetzter sind sie, als sie erfahren, dass der Vogel an einen Scheich verkauft werden soll. Das wollen sie auf keinen Fall zulassen ...

Ein Falke für Falkenstein

Die 72. Episode der Bibi-und-Tina-Reihe präsentiert sich als solide, allerdings nicht herausragende Folge mit sowohl Stärken als auch Schwächen.

Grundsätzlich fällt wieder einmal auf, dass kindgerechte Lehren vermittelt werden, die sich, wie öfter in der Reihe, diesmal besonders um Natur und Umwelt drehen. Kinder erfahren hier einige wissenswerte Informationen zum Thema Falken und Raubvögel allgemein: Als die Freunde den verletzten Falken finden, will Bibi ihn anfassen, woraufhin Tina und Alex sie energisch zurückhalten - denn Greifvögel können, erst recht, wenn sie verletzt sind, sogar dem Menschen mit ihren Krallen und ihrem Schnabel gefährlich werden. Alex weiß auch, dass man eine Falknerausbildung absolvieren muss, wenn man solche Tiere halten und abrichten will, und dass sie nur in erfahrene Händen gehören. Man erfährt zudem ein wenig über ihr Jagdverhalten, über die äußerlichen Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen sowie über ihr Brutverhalten.

Förster Buchfink, der seit Folge 61 (Bibi und Tina retten die Biber) regelmäßig als Nebenfigur auftaucht, sorgt für weitere sympathische Momente und ist besonnen und liebenswert wie sonst auch. Der junge Tierarzt Robert wird hier zwar erwähnt, tritt aber diesmal leider nicht selbst in einer Sprechrolle in Erscheinung. Dafür gibt es viele Szenen mit Graf von Falkenstein, der zwar wie immer ein bisschen streng, aber doch sympathisch erscheint und für seine Verhältnisse recht gut aufgelegt ist. Erfreulich außerdem, dass offenbar authentische Falkengeräusche als Lautuntermalung verwendet wurden, denn allzu häufig übernehmen mittlerweile bei Bibi, Bibi und Tina sowie bei Benjamin Blümchen menschliche Sprecher diesen Part, was meist albern wirkt.

Negativ fällt allerdings das übertriebene Verhalten von Bibi, Tina und Alex bezüglich Dianas Herkunft und dem Eigentümer auf. Sie reagieren sofort trotzig und verärgert, als sie erfahren, dass "ihre" Diana nun zu ihrem rechtmäßigen Eigentümer zurückkehren soll. Es empört sie gar, dass der Falke verkauft werden soll, und sie empfinden dies als unverschämt - seltsamerweise haben sie gewöhnlich kein Problem damit, dass der Graf seine Vollblüter ebenfalls hauptsächlich zum Verkauf züchtet und sie auch schon an einen Scheich verkauft hat. Warum es so verwerflich sein sollte, dass ein abgerichteter Falke nun mal verkauft wird, erschließt sich nicht wirklich, denn es ist überhaupt nicht gesagt, dass er in schlechte Hände kommen soll und nicht zu einem Falkenliebhaber. Selbst der Erzähler bezeichnet Dianas Eigentümer als "unsympathisch", dabei verhält dieser sich nicht sonderlich arrogant, sondern möchte nur seinen Falken wiederhaben und den Verkauf abschließen. Dass es Bibi, Tina und Alex schwer fällt, das lieb gewonnene Tier zurückzugeben, ist natürlich nachvollziehbar. Dass sie aber so ablehnend auf den Eigentümer reagieren und überzeugt sind, dass es dem Vogel bei ihm schlecht erging, scheint doch ziemlich aus der Luft gegriffen, und der Hörer kann ihre Reaktionen nicht unbedingt teilen. Geschickter wäre es da gewesen, Dianas Eigentümer noch viel deutlicher als Unsympathen darzustellen, wie es beispielsweise in der Vergangenheit bei windigen Figuren in den Folgen "Der Millionär", "Gefahr für Falkenstein" und "Der Verehrer" gut gelungen ist.

Dazu kommt, dass das Verhalten des Falken aus dramaturgischen Gründen ein bisschen unrealistisch inszeniert wurde und er ein Lassie-ähnliches Verhalten zeigt - das wäre nicht nötig gewesen, man hätte ruhig einen "normalen" Falken, der nichts Besonderes leistet, nehmen und in den Mittelpunkt stellen können. Schade ist auch, dass sowohl Freddy "der Sheriff" als auch der Mühlenhofbauer lediglich, wie schon Tierarzt Robert, nur kurz erwähnt werden, aber nicht als Sprechrolle mitwirken, denn sie hätten die Handlung auflockern können. Nicht einmal Frau Martin ist diesmal dabei. Die verbliebenen Sprecher machen ihre Sachen dafür gut, wie man es von der Serie auch nicht anders kennt.

Fazit:

Eine solide und generell hörenswerte Folge, die Kinder und Fans der Serie gut unterhält, aber zu den eher durchschnittlichen Episoden der Reihe zählt. Die Sprecher sind gut, es gibt interessante Informationen über Falken, allerdings nervt das Verhalten von Bibi, Tina und Alex ein wenig und ist nicht so ganz nachvollziehbar.

Sprechernamen:

Bibi Blocksberg: S. Bonasewicz
Tina Martin: D. Hugo
Alexander v. Falkenstein: S. Hasper
Graf v. Falkenstein: E. Prüter
Förster Buchfink: K.-P. Grap
Herr Motzke: F. Ciazynski
Erzähler: G. Schoß