19. August 2013

Tauben aus der Hölle - Robert E. Howard

Produktinfos:

Ausgabe: 2011
Länge: ca. 70 Minuten
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Der Autor:

Robert E. Howard (1906-1936) verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in Texas. Er arbeitete unter anderem als Cowboy, Baumwollpflücker und Journalist, ehe er sich hauptberuflich der Literatur widmete. Mit achtzehn Jahren verkaufte er seine erste Geschichte an Weird Tales, grundsätzlich veröffentlichte er viele Kurzgeschichten in Pulp-Magazinen. Besonders populär ist seine Figur "Conan", die die Fantasy stark beeinflusste.

Inhalt:

New England, Anfang des 20. Jahrhunderts: Die Freunde Griswell und John haben gerade ihren Schulabschluss bestanden. Zur Feier gönnen sie sich eine kurze Auszeit und machen eine Reise durch die Südstaaten. Am Rand eines Sumpfgebietes stoßen sie auf ein verlassenes Herrenhaus, wo sie sich zur Übernachtung einrichten. Mitten in der Nacht wacht Griswell durch ein unheimliches Lachen auf, und John folgt einem Rufen ins Obergeschoss. Zu Griswells Entsetzen wird John der Schädel mit einer Axt eingeschlagen, und trotz der eigentlich tödlichen Verletzung versucht er, auch seinen Freund zu töten.

Griswell flieht in Panik und trifft dabei auf Sheriff Buckner, der ihn zum Herrenhaus begleitet. Sie finden Johns Leiche, und Griswell steht für den Sheriff zunächst unter Mordverdacht. Bei seinen Untersuchungen im Haus entdeckt Buckner allerdings Spuren, die Griswells Geschichte bestätigen.

Der Sheriff glaubt dem jungen Mann schließlich. Gemeinsam wollen die beiden die Geschehnisse aufklären. Dabei stoßen sie auf die düstere Geschichte des Hauses, die bis in die Zeit des Bürgerkriegs zurückreicht - eine Geschichte über Grausamkeiten, Rache und Voodoo ...

Bewertung:


Obgleich Robert E. Howard 1936 mit nur 30 Jahren durch Suizid aus dem Leben schied, hat er doch eine beachtliche Fülle an Werken aus den Bereichen Horror, Fantasy und Western hinterlassen, unter denen vor allem die Reihen um "Conan der Barbar" und Solomon Kane noch heute Popularität genießen. "Tauben aus der Hölle" gehört zu seinen bekanntesten Horrorgeschichten und darf getrost zu seinen besten Werken gezählt werden. Erfreulicherweise ist es Titania Medien gelungen, diese höchst reizvolle Vorlage angemessen umzusetzen und eine ausgesprochen hörenswerte Folge zu kreieren.

Die Handlung steigt gleich in medias res ein: Griswell und John schlafen in dem verlassenen Herrenhaus, Griswell erwacht durch ein unheimliches Lachen und fühlt eine "Aura des Bösen", während sein bester Freund John einfach weiterschlafen will. Der Hörer bekommt rasch einen guten Einblick über die langjährige Freundschaft der beiden und kann sich von Beginn an gut mit Griswell identifizieren - sein Unwohlsein, seine steigende Angst und als Kontrast dazu der verschlafene, leicht unwirsche John, der für die "Aura des Bösen" keinen Sinn hat.

Wie in so vielen Werken Howards schwingt auch hier neben Horror auch eine gewisse Melancholie mit. So stimmt etwa der heitere Rückblick nachdenklich, in dem geschildert wird, wie Griswell und John diesen letzten unbeschwerten Sommer zwischen Schulzeit und Erwachsenenleben genießen wollen. Die gute Laune der beiden erhält durch die Ahnung des Hörers, dass die Reise grauenhaft enden wird, einen schmerzlichen Beigeschmack. Griswells Erlebnisse sind nicht nur angsteinflößend, sondern auch traurig, schließlich schwebt er nicht nur in Lebensgefahr, sondern verliert auch noch seinen besten Freund aus Kindertagen. Unmittelbar darauf findet er sich als Mordverdächtiger wieder, und der Hörer fiebert mit, wie es mit ihm weitergeht. Neben Griswell ist auch die Figur des besonnenen, jovialen Sheriff Buckner sehr überzeugend: Zunächst hilfsbereit, dann aber verständlicherweise misstrauisch und schließlich doch Griswells Verbündeter, von dem man hofft, dass er das Abenteuer überstehen wird.

Die Handlung präsentiert sich als recht komplex, und wie so oft in den Gruselkabinett-Folgen geht es auch hier um ein schreckliches Ereignis in der Vergangenheit, das die Gegenwart einholt. Karibische Riten, Rache, Zombies und Voodoo-Kult werden hier zu einer spannenden, aber auch berührenden Geschichte verwoben, die keine Längen aufkommen lässt. Passend dazu ist die Sprecherwahl sehr gut gelungen: Gleich vier Mitglieder der Familie Schwarzmaier mischen hier mit, Katharina und Caroline in zwei kleinen Rollen, ihr Bruder Tim Schwarzmaier (bekannt als Sprecher von Daniel "Harry Potter" Radcliffe in den ersten beiden Filmen) als Ich-Erzähler Griswell und der Vater der drei, Michael Schwarzmaier, als Sheriff Buckner. Makellos ist wieder einmal die musikalische Untermalung, etwa die leisen Klänge, wenn der Rückblick in die Zeit vor der Reise eingespielt wird. Auch die akustischen Effekte sind sehr gut gemacht, beispielsweise das Zirpen der Grillen, das den Hörer in die schwülwarme Sumpflandschaft von Louisiana versetzt.

Zu Bemängeln gibt es ausgesprochen wenig: Der Prolog ist im Grunde unnötig und verrät ein bisschen zu viel über das, was den Hörer bei der Auflösung erwartet. Tim Schwarzmaier alias Griswell spricht grundsätzlich sehr gut, senkt allerdings in seinen Erzählmomenten manchmal seine Stimme an Stellen, an denen Hebungen angebracht wären.

Manch eine Folge der Gruselkabinettserie überzeugt zwar durch Atmosphäre und Spannung, aber nicht unbedingt durch Grusel oder gar Horror - dies ist in dieser Folge jedoch wahrlich gegeben. Die nächtliche Szene zwischen Griswell und John gehört sicherlich zu den unheimlichsten Augenblicken der Reihe, vor allem jener Moment, als der eigentlich tote John, dessen Schädel soeben gespalten wurde, mit hasserfüllter Stimme "Töten ... ich muss dich töten ..." raunt. Ein guter Rat aus eigener Erfahrung: Wenn man dieses Hörspiel spätabends oder nachts hört, sollte man vorher zur Toilette gehen - könnte sonst passieren, dass man in höchster Not mit einem Tennisschläger bewaffnet zum Badezimmer schleicht.

Fazit:

Sehr gutes Hörspiel aus der Gruselkabinett-Reihe, das durch intensive Atmosphäre, unheimliche Momente, Spannung und gute Sprecher überzeugt, zu bemängeln gibt es so gut wie nichts.

Sprechernamen:

Griswell: Tim Schwarzmaier
Sheriff Buckner: Michael Schwarzmaier
Old Jacob Blount: friedrich Georg Beckhaus
John Branner: Patrick Roche
Elizabeth Blassenville: Katharina Schwarzmaier
Celia Blassenville: Caroline Schwarzmaier
Ladenbesitzer: Eckart Dux
Joan: Marie Biersteht
Cuffey: Matti Klemm

14. August 2013

Benjamin Blümchen auf dem Mond

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Inhalt:

Benjamin, seine Frau Leila und Otto genießen eine lauschige Sommernacht im Zoo. Als Benjamin den Mond betrachtet, gerät er ins Träumen. Zu gerne würde er den Mond einmal selbst erkunden. Die Astronauten haben schließlich bisher nur einen ganz kleinen Teil erforscht - und Benjamin ist neugierig, ob der Mond überall aus Mondgestein besteht und ob er vielleicht an anderer Stelle anders aussieht.

Otto hat vor ein paar Tagen gehört, dass die Raumfahrtbehörde neue Astronauten sucht. Das interessiert Benjamin - und tags darauf geht er dorthin. Er stellt sich Frau Professor Weiss vor, die sich tatsächlich dafür entscheidet, ihn auszuwählen. Nach langen Vorbereitungen und hartem Training ist es für Benjamin soweit: Er fliegt mit einer Rakete in Richtung Mond.

Benjamin ist voller Vorfreude und etwas ängstlich zugleich. Kurz vor der Landung auf dem Mond meint er, ein buntes Häuschen zu sehen - aber Frau Dr. Weiss von der Bodenstation erklärt, er müsse sich getäuscht haben. Kurz darauf stellt Benjamin jedoch fest, dass er tatsächlich nicht allein ist auf dem Mond: Zu seiner Überraschung begegnet er einer netten Frau namens Dr. Habernoll, die hier seit 15 Jahren mit ihren zwei kleinen Hunden lebt ...

Bewertung:

Die Menschheitsgeschichte ist reich an Rätseln, und eines unter ihnen ist gewiss die Frage, was zum Geier die sonst so stilsichere Benjamin-Blümchen-Erfinderin Elfie Donnelly dazu verleitet hat, diese Folge zu schreiben ... vielleicht eine verlorene Wette oder so. Die Schwächen sind so zahlreich, dass es einer Sisyphus-Arbeit gleichkommt, sie aufzuzählen ... aber einer muss es ja machen. :-)

Da ist zunächst einmal die Tatsache, dass die Elefantin Leila mitspielt. Erfahrene Benjaminhörer werden sich erinnern: Leila war die "wunderschöne" Zirkuselefantin, in die sich Benjamin in "Benjamin verliebt sich" verguckt hat. Am Ende jener Folge wurde eine Hochzeit angekündigt sowie Benjamins ehrgeiziges Vorhaben, ihr "Menschisch" beizubringen. Das war in Folge 7. In den Folgen 8-10 ist von Leila keine Rede mehr, nicht einmal in Benjamins Geburtstagsfolge, in der er immerhin 285 Verwandte aus Afrika einlädt. Nun in Folge 11 ist sie plötzlich wieder mit dabei, zum zweiten und zugleich (Gott sei Dank) letzten Mal. Und wie selbstverständlich spricht sie "Menschisch", obwohl eigentlich in der ganzen Serie klar ist, dass Elefanten wie Benjamin die Fähigkeit zum Sprechen angeboren sein muss (bekanntlich sprachen schon Benjamins Großeltern menschliche Worte, ebenso wie seine Cousine aus der Folge "Benjamin in Afrika; Familie Blümchen ist also offenbar dahingehend prädestiniert). Leila spielt also nur in zwei Folgen mit, und es wird nie offiziell erklärt, wohin sie gegangen ist, und es war ohnehin eine recht dumme Idee, sie überhaupt auftauchen zu lassen, zumindest als offizielle Ehefrau (auch wenn die Folge "Benjamin verliebt sich" sehr witzig ist ... da hält Leila aber auch ja noch ihren Mund bzw. Rüssel).

Leila ist aber nicht nur fehl am Platz, sie entbehrt auch jeden Charismas und wirkt nicht sonderlich intelligent, wie gleich ihr erster Kommentar zeigt: Als Benjamin erklärt, in sie verliebt zu sein, antwortet sie mit einem freudig-überraschten "Wirklich, Benjamin? Noch immer?" Du liebes bisschen, eine blödere Reaktion gibt es wirklich nicht. Oder vielleicht doch - nämlich als Benjamin sehnsüchtig sagt, er würde so gerne einmal selbst zum Mond fliegen und Leila traurig entgegnet: "Was? Jetzt? Mitten in der Nacht?"

Grundsätzlich hätte man einen Mondflug durchaus als Basis für eine gute Folge nehmen können, die Umsetzung hapert hier aber an allen Ecken und Enden. Statt eines spannenden Abenteuers erwartet den Hörer eine eher alberne Episode, mag Frau Dr. Habernoll auf dem Mond auch noch so sympathisch sein. Ein Grund dafür sind ihre "Hunde" Heinzelchen und Gulliver, die sich in Minisäbelzahntiger verwandelt haben und die penetrant in hohen Stimmen "Kloink Kloink" von sich geben. Die Geschichte um die nette Frau Dr. Habernoll, die vor ihrer Landung vor 15 Jahren beschlossen hat, für immer auf dem Mond zu bleiben, ist zudem eher deprimierend, gerade für Kinder. Sehr konstruiert ist die Idee, dass die Kloinks praktischerweise zaubern können und Frau Dr. Habernoll daher keine Probleme hat, auf dem Mond zu überleben - ebenso, dass der Mond aus Zucker besteht und Frau Dr. Habernoll einfach so ohne Helm in ihrem Haus leben kann. Der Folge tut es darüber hinaus nicht gut, dass Otto bei dem Abenteuer nicht dabei ist, Benjamin und er gehören eben einfach zusammen.

Die positiven Seiten dieser Folge muss man mit der Lupe suchen, aber es wäre keine Benjamin-Blümchen-Folge, wenn es sie nicht trotzdem gäbe: Gut gelungen ist wieder einmal die Sprecherbesetzung. In einer Nebenrolle ist Hallgard Bruckhaus mit dabei, die jahrzehntelang Barbara Blocksberg sprach und auch mehrmals als Ottos Mutter fungierte. Leila wird von Sigrid Lagemann gesprochen, die etwa auch schon Bibis Tante Luisa in "Unverhofftes Wiedersehen" sprach. Überzeugend ist auch Edith Elsholtz als liebenswerte Frau Dr. Habernoll. Für Kinder gibt es ein paar interessante Infos über Astronauten, etwa über das aufwendige Training, das sie vorher absolvieren müssen.

Fazit:

Eine absolut unterdurchschnittliche Folge, die eindeutig zu den schwächsten der ganzen Serie gehört. Eine alberne Handlung mit vielen Logikschwächen, eine völlig überflüssige Nebenfigur - nur die Sprecher reißen es ein klein wenig heraus, aber hören braucht man diese Folge wahrlich nicht, auch nicht als Benjamin-Fan.

Sprechernamen:

Benjamin Blümchen - Edgar Ott
Otto - Frank Schaff
Karla Kolumna - Gisela Fritsch
Leila - Sigrid Lagemann
Heinzelchen - Otto Czarski
Gulliver - Wilfried Herbst
Frau Dr. Weiss - Hallgard Bruckhaus
Frau Professor Habernoll - Edith Elsholtz
Portier - Gerd Holtenau
Erzähler - Joachim Nottke

13. August 2013

Bibi Blocksberg - Ein verhexter Urlaub

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Inhalt:

Familie Blocksberg fliegt voller Vorfreude in den Urlaub nach Silbersand ins Strandhotel. Am Flughafen gibt es zunächst einige Verwirrung beim Personal wegen der zwei Hexenbesen, aber schließlich sitzen sie im Flugzeug. Dort geraten Bibi und Boris prompt mit dem unfreundlichen Ehepaar Drösel aneinander, das leider auch noch das gleiche Urlaubsziel hat. Bibi ahnt schon, dass es ihr sehr schwerfallen wird, im Urlaub nicht zu hexen, wie sie es Papa versprochen hat.

Im Strandhotel lernt Bibi den netten Gepäckträger Eugen kennen, der sich mit den schweren Koffern abplagt. Bibi hilft ihm mit einem Hexspruch und erfährt zudem, dass der Hoteldirektor nicht besonders gut auf Kinder zu sprechen ist. Beim Abendessen stellt sich leider heraus, dass die Blocksbergs erneut neben Ehepaar Drösel sitzen, die ständig etwas an ihnen auszusetzen haben.

Am nächsten Tag trifft Bibi erneut den freundlichen Eugen und erfährt einiges über dessen Probleme im Hotel, bei denen sie ihm gerne hilft. Ansonsten haben Bibi und Boris allerdings wenig Spaß: Es sind keine anderen Kinder zum Spielen im Hotel, ständig gibt es Ärger mit den Drösels und Bibi und Boris langweilen sich. Da muss man doch etwas ändern können, damit der Urlaub endlich Spaß macht ...

Bewertung:

Wenn Familie Blocksberg in Urlaub fährt, hat sie einerseits die gleichen Probleme wie andere Urlauber auch - andererseits geht es natürlich dank der beiden Hexen noch ein bisschen turbulenter zu. Die Folge gehört zu den ganz alten Episoden, in denen Bibis Bruder Boris noch mit von der Partie war, in der Regisseur Ulli Herzog als Erzähler fungierte, und sogar auf das obligatorische "Eeene meene" als Einleitung für die Hexsprüche wird hier noch verzichtet.

Ansonsten ist es eine sehr typische Folge, in der Bibi einiges mit Hexerei löst und auch den einen oder anderen Streich spielt. Die Urlaubsprobleme werden vielen Hörern bekannt vorkommen: unfreundliche Gäste am Nebentisch, Langeweile bei den Kindern. Einfach nur am Strand liegen und entspannen wollen Bibi und Boris nicht - sie wollen mit anderen Kindern spielen und Action erleben. Das Hörspiel plädiert dafür, sich nicht übermäßig pingelig zu verhalten wie die Drösels oder der Hoteldirektor, es plädiert für den Einsatz unkonventioneller Methoden und Mut zur Veränderung sowie für Hilfsbereitschaft - sehr nett sind die Stellen, an denen Bibi dem geplagten Gepäckträger Eugen hexisch unter die Arme greift. Die Folge hat zudem einige witzige Stellen zu bieten, vor allem wenn sich Bibi und Boris Wortgefechte mit den Drösels liefern oder die Diskussion zwischen den Blocksbergs und dem Flughafenangestellten - dieser reagiert reichlich irritiert auf die beiden Besen, die Bibi und Barbara Blocksberg als Handgepäck aufgeben. Der genervte Bernhard Blocksberg ("Dieser Besen ist meine Frau, äh, diese Dame ist meine Frau") muss sich wieder einmal eine Erklärung einfallen lassen und fühlt sich dabei reichlich dämlich, was Bibi wiederum amüsiert.

Äußerst gelungen ist die Sprecherbesetzung, denn in jeder Rolle finden sich bekannte Namen wieder. Einzige Einschränkung ist allerdings ausgerechnet Bibis Stimme, denn wie schon in den Folgen 3 und 4 wird sie hier ausnahmsweise nicht von ihrer Stammsprecherin Susanna Bonaséwicz, sondern von Katja Nottke gesprochen (Tochter des späteren langjährigen Erzählers Joachim Nottke). Katja Nottkes Stimme klingt deutlich anders und ist merklich verstellt, um jünger zu wirken. Nottkes Bibi ist frecher als in anderen Folgen, das fiel schon in den Folgen 3 und 4 auf. Störend ist allerdings der recht quietschige Unterton. Generell macht Katja Nottke ihre Sache sicher nicht schlecht, aber es ist doch gut, dass sie nicht zur Stammsprecherin avancierte.

Umso besser sind die anderen Sprecher: Die arrogante Frau Drösel wird exzellent von Edith Elsholtz gesprochen, die im gleichen hochnäsigen Tonfall auch schon die Nachbarin Frau Paschulke in "Bibi und der Bankräuber" und eine Mutter in "Benjamin als Kinderarzt" sprach. Ihr Mann wird von Hermann Wagner gesprochen, der über Jahrzehnte hinweg als Zoodirektor Tierlieb bei Benjamin Blümchen zu hören war. Wieder mal in einer sehr kultigen Rolle ist der witzige Joachim Pukaß zu hören, hier als Flughafenangestellter - unvergessen sind seine Auftritte bei Bibi- und Benjamin-Fans als überdrehter Reisebüroleiter Hans-Heinrich oder als Anwalt Schwindelmeier.

Auch seine (2013 verstorbene) Ehefrau Gisela Fritsch wirkt hier mit, diesmal nicht in ihrer legendären Rolle als Karla Kolumna, sondern als Campingplatzleiterin Frau Schnatt. In dieser Rolle zeigt sich ihre Wandlungsfähigkeit, denn sie ist nur beim sehr genauen Hinhören als "Karla Kolumna" wiederzuerkennen - als Karla sprach sie deutlich schneller und höher. An ihrem Lachen ist sie dann allerdings doch zu identifizieren - und an der Anrede "Direktorchen", die verdächtig nach Karla Kolumna klingt, wenn sie mit ihrem "Bürgermeisterchen" spricht. Auch Manfred Schuster als Hoteldirektor kennt man, etwa als Bibis Schuldirektor in mehreren Folgen, und auch die weiche Stimme von Buddy Elias alias Gepäckträger Eugen, der in mehreren Benjamin-Folgen mitwirkte - zudem war er übrigens der Cousin von Anne Frank.

Ein herausragendes Hörspiel der Reihe ist es dennoch nicht. Die Handlung ist teilweise ein bisschen abgehackt - so wird etwa die Ankunft der Blocksbergs im Hotel gar nicht geschildert, sondern es geht von der Flughafenankunft direkt zur Begegnung zwischen Bibi und Eugen über. Wirklich spannend ist die Handlung auch nicht; es ist recht früh zu erahnen, was sich Bibi zur Lösung des Problems einfallen lässt, und die letzten zehn Minuten plätschern etwas uninspiriert dahin - die kurz aufkommende Dramatik wirkt etwas unharmonisch eingefügt.

Fazit:

Eine insgesamt gute, weil lehrreiche und humorvolle Folge über einen ungewöhnlichen Urlaub. Gewöhnungsbedürftig ist Bibis Ersatzstimme, dafür sind die restlichen Sprecher umso besser. Kein Highlight, aber hörenswert.

Sprechernamen:

Erzähler - Ulli Herzog
Bibi Blocksberg - Susanna Bonaséwicz
Barbara Blocksberg - Hallgard Bruckhaus
Bernhard Blocksberg - Guido Weber
Boris Blocksberg - Frank Schaff
Eugen - Buddy Elias
Frau Drösel - Edith Elsholtz
Herr Drösel - Hermann Wagner
Hoteldirektor - Manfred Schuster
Herr Schmidt - Joachim Pukaß
Frau Schnatt - Gisela Fritsch

Fünf Freunde und die Flugzeugentführer

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Inhalt:

Die Fünf Freunde nehmen an einem Austauschprogramm teil, das sie nach Rio de Janeiro führen soll. Kurz vor der Ankunft übernehmen aber plötzlich drei Entführer das Flugzeug. Einer steuert es, zwei andere halten mit Pistolen die Passagiere in Schach. Sie landen schließlich und lassen fast alle gehen - nur Anne behalten sie als Geisel. George, Julian, Dick und Timmy gelingt es aber, sich an Bord zu verstecken und tauchen auf, als sie wieder in der Luft sind.

Die Entführer Lucien, Claude und Marco behandeln die Kinder gut und geben preis, dass sie wertvolle Güter über die Grenze schmuggeln wollen. Plötzlich gerät das Flugzeug ins Trudeln. Zwei der drei Triebwerke sind ausgefallen und Pilot Claude muss mitten im brasilianischen Busch notlanden. Alle überstehen die Bruchlandung unverletzt, doch das Flugzeug ist zerstört, ebenso das Funkgerät.

Auf der Suche nach Hilfe geraten sie ins Dorf eines Stammes von Ureinwohnern, den Jivaros und werden von ihnen gefangen genommen. Den Entführern gelingt jedoch die Flucht. Während die Fünf Freunde auf Hilfe hoffen, finden sie unerwartet einen Verbündeten und erfahren von einem geheimnisvollen Schatz ...

Entführer, Dschungel, Schrumpfkopfjäger

Die 25. Hörspiel-Folge stammt nicht mehr aus der Feder von Enid Blyton - und das merkt man deutlich. Zwar waren die originalen Bücher und demnach auch Hörspielfolgen oft etwas bieder und die Handlungen ähnelten sich mit den vielen Schmugglern und Geheimgängen und Schätzen. Aber sie hatten Charme, der dieser Folge nun doch etwas abgeht. Vor allem aber ist sie viel zu übertrieben und reiht so viele Katastrophe aneinander, dass sie für mehrere Folgen ausgereicht hätten.

Der Titel ist zunächst einmal etwas irreführend, denn die Flugzeugentführung verliert rasch an Bedeutung. Die Fünf Freunde und ihre Entführer werden schließlich zu Verbündeten und die geplante Schmuggelaktion der Entführer wird gestrichen. "Fünf Freunde im Dschungel", wie auch der Buchtitel lautet, wäre passender gewesen. Der Absturz und die Strandung im Dschungel fern von der Zivilisation wäre dann handlungsfüllend für ein Abenteuer, aber dann kommen auch noch Eingeborene ins Spiel, die sie gefangen nehmen und schließlich geht es ganz am Ende noch um einen verborgenen Schatz. Das ist einfach zu viel des Guten.

Zudem gibt es immer mal wieder konstruierte Szenen, die alles zu einfach machen - etwa wenn die Kinder und die Schmuggler in verschiedenen Häusern gefangen gehalten werden und George durch Timmy eine Nachricht an die Männer schickt. Warum das keiner der Wächter wahrnimmt, wird nicht erläutert - auch, dass sowohl die Männer als auch die Kinder Stift bzw auch noch einen Zettel dabei haben, ist etwas fragwürdig. Die Schatzsuche ist für die Gesamthandlung ziemlich überflüssig und es ist übertrieben, wie leicht die Kinder die Hinweise entschlüsseln. Letztlich ist die Taktik, mit der sie den Jivaros entfliehen wollen, ziemlich albern - sie soll zwar originell sein, ist aber viel zu weit hergeholt, um wirklich zu funktionieren. Über den Stamm der Jivaros erfährt man zwar nicht viel, aber sie kommen insgesamt doch etwas zu barbarisch rüber, das hätte man freundlicher gestalten können - die Entführer müssen nämlich darum bangen, geopfert zu werden und da hätte es auch ein etwas zivilisierterer Stamm getan.

Ein paar positive Aspekte gibt es aber dennoch, das Hörspiel bewegt sich unter den neueren zumindest noch im Mittelfeld. Recht schön ist es, dass die Entführer ziemlich verschiedene Charaktere sind. Claude beispielsweise ist dem Hörer gleich sympathisch, er behandelt die Kinder am nettesten und ist sehr vernünftig. Auch die Sprecher der Fünf Freunde sind zwar nicht mehr die originalen, machen ihre Sache in der Folge aber gut. Kim Hasper alias Dick ist inzwischen einer breiten Hörspielgemeinde auch als eine der Hauptfiguren in "Point Whitmark" bekannt. Timmy ist erfreulicherweise in diesem Hörspiel nicht wie sonst oft ein Wunderhund à la Lassie, sondern sein Verständnis bewegt sich im realistischen Rahmen. Das grundsätzliche Abenteuerflair wird den meisten Kindern gefallen und es kommt zumindest keine Langeweile auf.

Fazit:

Eine durchschnittliche Folge, die nicht an den Charme der Original-Blyton-Werke heranreicht. Die Sprecher machen ihre Sache ganz gut und es kommt Spannung auf, allerdings ist die Handlung auch allzu unrealistisch und übertrieben.

Sprechernamen:


Erzähler: Lutz Mackensy
George: Julia Ziffer
Julian: Florian Schmidt-Foß
Dick: Kim Hasper
Anne: Dascha Lehmann
Entführer Claude: Simon Bahl
Entführer Marco: Michael Quiatkowsky
Entführer Lucien: Achim Schülke
Indianer Tofi: Rolf E. Schenker
Häuptling Pfo: Klaus-Peter Kaehler
Forscher Guy: Rainer Schmitt
Pilot: Gottfried Kramer

11. August 2013

Ich will Ihren Mann - Joy Fielding

Produktinfos:

Ausgabe: 1998
Seiten: 400
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Die Autorin:

Joy Fielding, geboren 1945 in Toronto, Kanada, hatte bereits in ihrer Kindheit großes Interesse am Schreiben. Vor ihrer Karriere als Schriftstellerin studierte sie englische Literatur und arbeitete eine Weile als Schauspielerin. 1991 gelang ihr mit dem Roman "Lauf Jane, lauf" der internationale Durchbruch. Seitdem landen ihre Frauenthriller regelmäßig auf den Spitzenpositionen der Bestsellerlisten. Weitere Werke sind u. a. "Sag Mammi goodbye", "Ein mörderischer Sommer", "Schlaf nicht, wenn es dunkel wird" und "Tanz Püppchen, tanz".

Inhalt:

Lilian Plumley fühlt sich glücklich verheiratet mit ihrem Mann David, einem erfolgreichen und ehrgeizigen Anwalt. Eines Tages aber steht eine junge, bildhübsche Frau vor ihr und erklärt, dass sie plant, ihren Mann zu heiraten. Lilian hält das erst für einen schlechten Scherz, doch die Fremde beharrt darauf, dass sie ihr David ausspannen wird.

Die Fremde ist Nicole Clark, die als begabte Jurastudentin gerade ein Praktikum in Davids Kanzlei macht. Als Lilian ihrem Mann davon erzählt, lacht David nur. Er versucht sie zu überzeugen, dass Nicki bloß einen Witz gemacht habe oder höchstens hoffnungslos für ihn schwärme und dass Lilian sich keine Sorgen zu machen brauche.

Doch in den folgenden Wochen gerät Lilian immer mehr in Zweifel. Nicki verbringt aufgrund eines wichtigen Falls viel Zeit mit David, zudem arbeitet er immer mehr. Als Nicki sich für ihre Äußerung entschuldigt und scheinbar Freundschaft anbietet, bleibt Lilian misstrauisch - zumal sie nicht vergessen kann, dass sie selbst vor der Ehe einmal Davids Geliebte war, mit der er seine damalige Frau betrog. Ihre Eifersucht schürt neuen Ärger mit David, der Lilian allmählich für paranoid erklärt ...

Bewertung:

Eigentlich ist Joy Fielding auf Psychothriller spezialisiert, hier geht es aber mal nicht vorrangig um Morde - doch wie sonst meist auch zumindest um eine Frau um die Vierzig, deren Leben plötzlich aus den Fugen gerät.

Im Mittelpunkt steht eine Frau mittleren Alters in scheinbar gefestigten Bahnen, die sich plötzlich mit einer blutjungen Rivalin herumschlagen muss. Ihre ohnehin schon vorhandenen Komplexe werden verstärkt, ihr Misstrauen gegenüber ihrem Mann steigt. Dazu kommen noch die Probleme mit der streitsüchtigen Exfrau und Davids Kinder aus erster Ehe, die in einer schwierigen Teenagerphase stecken - Jason stottert, die Tochter wiederum ist verdächtig dünn und appetitlos. Davids Exfrau Elaine ruft in den unpassendsten Momenten an und verlangt immer mehr Geld, sodass Lilian und David fast ausschließlich von Lilians Gehalt als Dozentin leben, einem Job, in dem sie sich als ausgesprochene Pragmatikerin allerdings nicht wohlfühlt. Nach außen hin mag Lilian wie eine glückliche Ehefrau wirken, während es ihr immer schwerer fällt, die Fassade aufrecht zu erhalten. Für den Leser ist lange Zeit nicht offensichtlich, ob Lilian wirklich Grund zur Eifersucht hat - ist Nicole Clark bloß ein kleiner Flirt von David und bildet sich mehr ein, als wirklich geschieht oder betrügt er seine Frau tatsächlich? Beides scheint möglich und Verlauf und Ende der Geschichte sind damit recht offen.

Zu den allerdings doch recht ausgeprägten negativen Aspekten gehört, dass in der Darstellung von Lilian zu sehr übertrieben wird. Sie hat sehr viele Komplexe, die nicht immer nachvollziehbar sind - beispielsweise schämt sie sich für ihre Größe von 1,75 Metern, neigt daher zu einer gebückten Haltung und fühlt sich der kleineren Nicki unverständlicherweise allein schon wegen ihrer Größe unterlegen.

Es ist auch auf Dauer nervtötend, wie viel sich Lilian von ihrem Mann gefallen lässt. David zeigt deutlich seine Dominanz, reagiert oft verärgert auf jedes noch so berechtigte Widerwort seiner Frau und staucht sie häufig zusammen. Lilian tut einem dabei zwar teilweise leid, aber sie reagiert auch zu passiv, zu duldsam und reizt damit auf Dauer den Leser. Es ist nicht wirklich nachvollziehbar, wie eine ehemals toughe Reporterin, die in ihrem Job die Welt bereiste und etwa Kriegsbilder in Vietnam schoss, sich in wenigen Jahren so zu einem verschüchterten Häschen entwickeln konnte. Auf der anderen Seite erscheint David rundum unsympathisch. Wie so viele Ehemänner in Joy Fieldings Romanen ist er ein attraktiver, erfolgreicher Workaholic - und zudem ausgesprochen eitel, narzisstisch, ignorant und machohaft, kurz: Es ist wahrlich schwer zu verstehen, was Lilian an ihm findet und noch mehr, weshalb sie sich von ihm so klein halten lässt.

Dann gibt es noch einen kleinen Handlungsstrang um Lilians Freundin Beth, der später wichtig wird, der den Bogen aber ein bisschen überspannt. Hier reagiert David besonders unsympathisch und stößt den Leser automatisch ab - geschickter wäre es gewesen, ihn zumindest ein bisschen gemäßigter darzustellen. Einmal ist der Autorin zudem ein kleiner Lapsus unterlaufen, als sie eine Filmszene einbaut, in der June Allyson angeblich von ihrem Ehemann betrogen wird - in dem betreffenden Film spielt allerdings Norma Shearer diese Rolle.

Fazit:


Ein leicht lesbarer Roman über Eheprobleme und Betrug, der anfangs ganz gut unterhält, allerdings dann mehr und mehr in seinen Schwächen aufgeht. Die Protagonistin handelt oft nicht nachvollziehbar und lädt nicht gerade zur Identifikation ein, das Verhalten des Ehemannes ist noch schlimmer; zudem überspannt ein zweiter Handlungsstrang den Bogen. Von der Idee her ist der Roman nicht schlecht und als anspruchslose Urlaubslektüre ist er beispielsweise geeignet - für mehr aber auch nicht.

8. August 2013

Fünf Freunde und die Jagd nach den Smaragden

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Inhalt:

Die Fünf Freunde verbringen ihre Ferien mal wieder auf Georges Felseninsel. Im Morgengrauen entdeckt George zufällig zwei Männer, die sich bei der Ruine unterhalten und belauscht einen finsteren Plan: Einer alten Frau auf einem abgelegenen Schloss sollen ihre kostbaren Juwelen geraubt werden. Die Männer heißen Karl und Lenny, außerdem sprechen sie noch von einem gewissen Dave, der zu ihnen gehört. Nachdem die Männer verschwunden sind, erzählt George sofort den anderen von dem Gespräch.

Für die Freunde steht fest, dass sie den Diebstahl verhindern müssen. Sie fürchten allerdings, dass die Polizei ihnen aufgrund der dürftigen Informationen keinen Glauben schenken wird. Also wollen sie die alte Frau selbst warnen. Ihre Recherchen ergeben, dass es in der Gegend nur drei abgelegene Anwesen gibt, die von einer alleinstehenden älteren Frau bewohnt werden: Fitzwilliam Manor, Manor's House und Manor Farm. Sie machen sich auf, um alle drei Frauen zu warnen.

Mrs. Fitzwilliam empfängt sie freundlich, aber offensichtlich besitzt sie keine Juwelen und die Freunde ahnen, dass sie nicht gemeint ist. Mrs. Grant von Manor's House reagiert dagegen sehr unfreundlich und misstrauisch und schickt sie weg, ehe sie ihr alles erklären können. Am nächsten Tag wollen sie zu Mrs. Langley auf Manor Farm gehen. George jedoch möchte es zuvor am Abend noch einmal bei Mrs. Grant versuchen. Als die anderen ablehnen, macht sie sich in der Nacht mit Timmy heimlich auf den Weg - und ahnt nicht, dass sie sich dabei in höchste Gefahr begibt ...

Bewertung:

Eine gewisse Spannung kann man dem Hörspiel sicherlich nicht absprechen, immerhin geht es hier wieder einmal um ein Verbrechen, dass die Fünf Freunde ohne polizeiliche Hilfe verhindern wollen, es gibt dramatische Szenen und lange Zeit ist die Frage reizvoll, ob die Freunde das richtige Anwesen ausfindig machen können. Die Geschichte ist durchaus abwechslungsreich und hat keine wirklichen Längen.

Leider kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung an zahlreichen Ecken konstruiert und unglaubwürdig wirkt. Das beginnt schon mit dem seltsamen Szenario, dass die beiden Verbrecher extra mit einem Ruderboot auf die scheinbar unbewohnte Felseninsel fahren, um sich dort in Ruhe zu unterhalten - warum man sich solche Mühe machen sollte und kein anderes ungestörtes Plätzchen für ein Fünf-Minuten-Gespräch finden konnte, bleibt offen. Noch konstruierter ist Georges Verhalten, als sie sich nachts auf den Weg zu Mrs Grant macht, um sie erneut zu warnen. Mrs. Grant war den Freunden gegenüber äußerst unfreundlich und verdächtigte sie gar, bei ihr nur spionieren zu wollen, um sie selbst auszurauben. Darüber hinaus hatte sie ihren Neffen bei sich, der damit drohte, seinen Schäferhund auf die Kinder zu hetzen. Es ist reichlich naiv und dumm von George sich trotzdem, zudem noch nachts, auf den Weg zu machen, um die alte Frau erneut zu warnen - ihr Verantwortungsbewusstsein in Ehren, aber realistisch ist das nicht. Vor allem macht sie selbst den Scheinvorschlag, Mrs. Grant einen Brief mit Erklärungen zu schreiben - das soll Julian und die anderen beruhigen, während sie sich nachts doch auf den Weg macht. Warum sie nicht wirklich die Idee mit dem Brief umsetzt, ist absolut nicht logisch.

Dazu kommen noch kleinere Mängel, die sich unterm Strich summieren: Der Erzähler erwähnt erst mehrere Minuten nach Beginn, dass George ein Mädchen ist und eigentlich Georgina heißt, statt dies direkt bei ihrem ersten Auftauchen klarzustellen. Anne verhält sich immer wieder übertrieben ängstlich: Als George die anderen nach dem belauschten Gespräch trifft und erschrocken dreinschaut, fragt Anne sie jammernd, ob sie etwa in der Folterkammer der Ruine gewesen sei oder einen Geist gesehen habe - und meint dies offensichtlich ernst. Des Weiteren fällt auf, dass sowohl Erzähler als auch Charaktere mal von "Miss Grant" und mal von "Mrs. Grant" sprechen.

Die Sprecher sind grundsätzlich nicht schlecht, allerdings wird deutlich, dass die Hauptsprecher nicht nicht an die Originalsprecher heranreichen können, die in den Folgen 1-21 sprachen. Julian und George machen ihre Sache noch am besten, unangenehm fällt dagegen Dascha Lehmann auf, die Anne sehr ängstlich und kindlich spricht. Die Nebenrollen sind wiederum sehr gut besetzt - leider übertreibt es Erzähler Lutz Mackensy hin und wieder mit seinem Pathos, anstatt sich etwas mehr zurückzunehmen.

Fazit:

Keine gelungene Folge, auch wenn die Handlung insgesamt nicht unspannend ist. Es fallen einfach zu viele gravierende unlogische Stellen auf, auch die Sprecher sind nicht immer einwandfrei. Eine unterdurchschnittliche Folge, die sich nur für Fans der Serie empfiehlt.

Sprechernamen:

Erzähler - Lutz Mackensy
George - Julia Ziffer
Julian - Florian Schmidt-Foß
Dick - Kim Hasper
Anne - Dascha Lehmann
Lenny - Lutz Harder
Karl - Helgo Libbich
Dave - Marco Kröger
Sergeant - Klaus-Peter Kaehler
Mrs. Grant - Gerda Gmelin
Mrs. Fitzwilliam - Ursula Vogel
Mrs. Langley - Ursula von Bose

Die Insel des Mondes - Beatrix Mannel

Produktinfos:

Ausgabe: 2013
Seiten: 512
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Zur Rezension auf der Histo-Couch.