27. Februar 2014

Der Knochenjäger - Jeffery Deaver


Produktinfos:

Ausgabe: 1999
Seiten: 511
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Der Autor:

Jeffery Deaver, Jahrgang 1950, war zunächst Folksänger, Journalist und Anwalt, ehe 1988 sein erster Roman veröffentlicht wurde. Mittlerweile gehört er zu den erfolgreichsten Krimi- und Thrillerautoren dank Werken wie "Der Insektensammler", "Der gehetzte Uhrmacher" und "Die Menschenleserin".

Inhalt:

Einst war Lincoln Rhyme der Leiter der Forensik beim New Yorker Morddezernat. Vor drei Jahren jedoch erlitt er während eines Einsatzes einen schweren Unfall, der ihm den vierten Halswirbel brach - seither kann Rhyme nur noch seinen Kopf und einen Ringfinger bewegen. Lincoln Rhyme hat sich völlig von der Welt zurückgezogen. Kontakt hat er nur noch zu Ärzten und zu seinem Pfleger und Vertrauten Thom.

Während sich Rhyme mit Suizidgedanken quält, bittet ihn sein Ex-Kollege Lon Sellito um Hilfe bei einem aktuellen Fall. Die junge Streifenpolizistin Amelia Sachs hat ein Mordopfer entdeckt, das lebendig begraben wurde - nur die Hand ragte aus der Erde, der Ringfinger bis auf den Knochen freigelegt und mit einem Ring geschmückt. Der Täter offenbar absichtlich Spuren am Tatort hinterlassen, die zum nächsten Mordopfer führen sollen.

Widerwillig erklärt sich Rhyme zur Kooperation bereit. Schnell stellt sich heraus, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben, der ein Katz-und-Maus-Spiel mit ihnen treibt. Der Unbekannte gibt ihnen stets Chancen, die Opfer zu retten, ansonsten sterben sie einen qualvollen Tod - und die Spuren sind schwer zu entschlüsseln. Während Amelia, von deren Fähigkeiten Rhyme überzeugt ist, für ihn die Tatortarbeit erledigt, versucht der ehemalige Detective, den Täter zu durchschauen ...

Bewertung:

In mittlerweile zehn Romane (Stand 2013) bilden der querschnittsgelähmte Lincoln Rhyme und die junge Polizistin Amelia Sachs ein unkonventionelles, aber umso erfolgreicheres Team, das sich in diesem Werk erst mühsam zusammenraufen muss. Dieser erste Band wurde mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen verfilmt, der Film allerdings weicht in vielen Dingen erheblich von der Buchvorlage ab - Kenner des Films können bei der Lektüre also durchaus Überraschungen erleben.

Lincoln Rhyme ist eine Art moderner Sherlock Holmes: Ein hochintelligenter Mann mit außergewöhnlichem Gespür, der scharfsinnige Schlüsse zieht, die intellektuelle Herausforderung liebt und sich gerne kühl und unnahbar gibt. Derartige Charaktere sind im Krimi- und Thrillergenre nun nicht selten; das wirklich Besondere an Rhyme ist natürlich sein körperlicher Zustand. Bei der Suche nach einem Polizistenmörder stürzte ein ungesicherter Tatort ein und verursachte Rhymes fast vollständige Lähmung. Finanziell ist er durch seine Rente und eine hohe Entschädigung zwar unabhängig, doch auf seinen schwindenden Lebensmut hat dies keinen Einfluss. Rhyme reichte die Scheidung ein, um seine Frau Blaine nicht mit seinem Leiden zu belasten und entwickelte sich zu einem Zyniker, der meist nur seinen geduldigen Pfleger Thom um sich erträgt. Zum Beginn der Mordserie kennt Rhyme nur noch ein Ziel: Einen Arzt zu finden, der ihm Sterbehilfe leistet.

Es gelingt gut, neben Rhymes intellektuellen Fähigkeiten und der Mörderjagd auch sein psychisches und körperliches Leid in die Handlung zu integrieren. Rhymes suizidale Gedanken sind ebenso nachvollziehbar wie die ablehnende Haltung seiner wenigen Vertrauten. Neben dem Wunsch zu sterben beherrscht Rhyme vor allem die Sorge, durch einen seiner Anfälle und Krämpfe auch noch den Rest an Mobilität einzubüßen - immerhin kann er mittels hochtechnisierter Ausrüstung durch Mund und Ringfinger einen Rollstuhl steuern, Buchseiten umblättern oder ein Telefon bedienen. Auch die körperlich prekären Details dieses Zustandes wie Katheter, Windeln und Darmentleerungen spart die Handlung nicht aus, ohne dabei aber ins Peinliche oder Entwürdigende abzugleiten. Es ist zugegeben gewagt, seinen Protagonisten mit einem derartigen Zustand zu versehen, besteht doch die Gefahr, dass der Thrillerteil dagegen verblasst; gleichwohl ist Jeffery Deaver dieser Spagat durchaus geglückt.

Amelia Sachs ist dagegen unspektakulärer, aber auch keine Durchschnittspolizistin. Die hochgewachsene Schönheit mit den feuerroten Haaren hat früher gemodelt und soll eigentlich zu Beginn des Falls wegen ihrer chronischen Arthritis in die Presseabteilung versetzt werden. Das schmerzhafte Ende ihrer letzten Beziehung hat Amelia geprägt und sie erscheint als äußerlich souveräne, aber unnahbare und zur Selbstzerstörung neigende Persönlichkeit, die gemäß ihrem Motto "Wenn man in Schwung ist, kriegt einen keiner" waghalsige Automanöver liebt - kein Wunder also, dass sie und Lincoln Rhyme sich in gewisser Weise seelenverwandt fühlen. Als Streifenpolizistin ist P.T. Sachs (Plattfuß-Tochter, ihr wenig charmanter Spitzname in Anlehnung an ihren Vater, der vierzig Jahre bei der Streife diente) alles andere als eine Tatort- oder Mordfallexpertin. Doch ihr couragiertes Auftreten bei der Tatortsicherung des ersten Opfers beeindruckt Rhyme, der fortan nur sie als Assistentin haben will - was Amelia anfangs mäßig begeistert und später umso engagierter umsetzt. Es bleibt nicht aus, dass sich Amelia und Rhyme auch privat näherkommen, schließlich ist Lincoln Rhyme ungeachtet seines körperlichen Zustands immer noch ein attraktiver Mann - aber diese Ebene nimmt zumindest im ersten Roman der Reihe keine entscheidende Rolle ein.

Die Handlung fokussiert sich auf Rhyme und Amelia, schweift aber kurzzeitig immer wieder zum Täter, ohne seine Identität zu verraten. Der Leser besitzt anfangs ein wenig mehr Hintergrundinformationen zum Mörder als die Ermittler, doch die genauen Zusammenhänge werden erst zum Schluss klar. Für Spannung ist gesorgt, vor allem da es Rhyme und Amelia ab und zu tatsächlich gelingt, Opfer noch zu retten. Nach jeder Tat geht es sofort ans Deuten der hinterlassenen Spuren und es stellt sich stets aufs Neue die Frage, ob es gelingen wird, das nächste Opfer rechtzeitig zu finden oder nicht. Die Todesarten sind perfide, denn der Täter ist ein Spieler, der aufwändige Inszenierungen wählt. Die Zustände der Opfer sind nicht gerade erbaulich, aber auch für etwas sensiblere Mägen noch erträglich.

Auch wenn sich Rhymes und Sachs' erster Fall unterhaltsam präsentiert, gibt es doch auch kleine Schwächen. Vor allem Rhymes Schlussfolgerungen sind manchmal zu weit hergeholt. Sicher ist er ein Experte auf dem Gebiet der Spurensicherung, trotzdem wirken seine geradezu Holmes'schen Erkenntnisse übertrieben genial, insbesondere in Anbetracht der Kürze der Zeit. Übertrieben inszeniert ist zudem auch das Ende, das zwar originell, aber nicht gerade realistisch erscheint. Der Täter hat ein nachvollziehbares Motiv, allerdings ist seine Darstellung ein wenig blass geraten. Die inszenierten Tatorte, die Grausamkeit und das Intelligenzduell mit den Ermittlern erinnert an David Finchers genialen Film "Sieben", jedoch ohne einen ebenso charismatischen Mörder zu präsentieren.

Fazit:

Guter, wenn auch nicht hochklassiger Thriller über einen Serienmörder, der den Auftakt zu einer Reihe bildet. Das Werk besticht vor allem durch eine spannende Handlung und ein interessantes Ermittlerduo, neigt dabei aber zu teils unrealistischen und übertriebenen Szenarien.

24. Februar 2014

Pumuckl und das Segelboot/Pumuckl und das Spielzeugauto

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Inhalt:

a) Pumuckl und das Segelboot

Ein Kunde erzählt Meister Eder in der Werkstatt von seinem Segelboot. Eder ist früher selbst gesegelt und erinnert sich gerne an diese Zeit. Pumuckl hört das Gespräch mit und ist begeistert von der Vorstellung - schließlich ist er ein Nachfahre der Klabautermänner und liebt daher alles, was mit Wasser zu tun hat.

Meister Eder lehnt erst ab, doch dann lässt er sich erweichen, dass sie gemeinsam eine Segeltour machen. Schon am nächsten Sonntag fahren sie zu einem See und Eder mietet ein Segelboot. Alles läuft gut und Pumuckl genießt das Segeln. Nach zwei Stunden wird Eder hungrig und legt eine Essenspause ein. Während er in einem Café einkehrt, wartet Pumuckl auf dem Boot.

Der Kobold vertreibt sich die Zeit damit, das Schiff zu erkunden. Dabei spielt er auch an der Leine herum und löst versehentlich den Knoten - und prompt segelt das Boot langsam auf den See hinaus. Meister Eder bekommt nicht nur einen Schrecken, sondern auch den Spott der Leute zu spüren. Das will Pumuckl auf seine Weise wieder gutmachen ...

b) Pumuckl und das Spielzeugauto

Meister Eder stellt bei einem Blick in den Kalender fest, dass es wieder einmal des Jahrestag ist, seit Pumuckl das erste Mal bei ihm auftauchte. Trotz manches Ärgers in all der Zeit ist er doch sehr froh, dass er den kleinen Kobold bei sich hat. Zur Feier des Tages kauft er Pumuckl daher als Geschenk ein Spielzeugauto zum Aufziehen.

Pumuckl ist gerührt und probiert das Auto sofort aus. Zu seiner Freude kann er auf dem Auto sogar bequem sitzen, während es fährt. Da Pumuckl nicht genug Kraft hat, um das Auto alleine aufzuziehen und Eder nach einer Stunde weiterarbeiten muss, stellt ihm der Schreinermeister eine Rampe in die Werkstatt - so erhält das Auto Schwung zum Fahren.

Pumuckl allerdings ist es bald lästig, das Auto immer wieder aufs Neue auf die Rampe zu ziehen. Da kommt ihm die Idee, vor der Werkstatt nach einem höheren Hang zu suchen, damit der Fahrspaß länger anhält. Meister Eder verbietet ihm jedoch, mit dem Auto nach draußen zu gehen - er fürchtet, dass das Auto, das ja sichtbar bleibt, schnell weggenommen wird. Während seiner Arbeitspause stiehlt sich Pumuckl trotzdem heimlich mit dem Auto nach draußen. Natürlich lässt der Ärger nicht lange auf sich warten ...

Bewertung:


Ein Boot und ein Auto bereiten Pumuckl in dieser Doppelfolge zunächst Freude, ehe es zu Problemen kommt - die Zusammenstellung dieser beiden Episoden ist gelungen. Pumuckl betont oft seine Zugehörigkeit zu den Klabautermännern, auch wenn er von Schiffen und vom Segeln nicht wirklich viel Ahnung hat.

In Pumuckl und das Segelboot bekommt er endlich einmal Gelegenheit, die Freuden des Segelns zu erleben. Wie so häufig bei einer Unternehmung mit dem Kobold geht etwas schief. Diesmal ist es kein Vorsatz, sondern nur Unachtsamkeit, aber für Meister Eder ist es dennoch wieder einmal folgenreich: Erst sorgt er sich, weil Pumuckl allein auf dem See herumtreibt, dann ärgert er sich über die spöttischen Kommentare der Passanten - denn natürlich glauben diese, Meister Eder habe das Boot nicht richtig befestigt. Pumuckl ist ebenfalls empört über die Kommentare und rächt sich ein einer speziellen Person auf amüsante Weise. Einen ähnlichen Clou liefern Eder und sein Kobold in den Folgen "Der Waldspaziergang" und noch besser in "Der erste April", sodass am Ende diejenigen in Verlegenheit geraten, die Eder zunächst ausgelacht haben. Es ist für den Spannungsfaktor vielleicht ein wenig schade, dass die Szenerie mit Pumuckl allein auf dem See etwas knapp ausfällt. Im Gegenzug ist der Beginn zu gemächlich gestaltet, es vergeht fast ein Drittel der Episode, ehe Pumuckl und Eder überhaupt zum Segeln aufbrechen.

Zudem weist die Folge einen kleinen logischen Haken auf: Als Pumuckl auf dem See herum treibt, erwähnt der Erzähler, dass der Kobold in seinem unsichtbaren Zustand zumindest nicht ertrinken kann. Das ist durchaus plausibel, da Pumuckl als Unsichtbarer auch weder Hitze noch Kälte noch Hunger oder Durst verspürt. In der Folge "Das neue Badezimmer" allerdings ertrinkt Pumuckl beinah, als er ohne Eders Aufsicht, ergo unsichtbar, in der Badewanne spielt - so ganz ungefährdet, wie hier dargestellt, scheint er also nicht unbedingt zu sein.

Pumuckl und das Spielzeugauto
ist eine noch typischere Folge: Wie in so vielen Geschichten ist der kleine Kobold nicht mit einem Verbot durch Meister Eder einverstanden und hält es für übertrieben, hört nicht auf ihn und prompt treten Eders Befürchtungen ein. Langsam sollte Pumuckl mal gelernt haben, dass Meister Eder fast immer Recht behält und doch handelt er immer wieder gegen dessen Ansagen. Wenn Pumuckl an etwas Vergnügen gefunden hat, wird er gewöhnlich sehr uneinsichtig und will sich durch nichts davon abhalten lassen. So hält er auch Eders Warnungen für übertrieben und möchte um jeden Preis mit seinem Auto draußen spielen. Für Kinder ist dieses Verhalten gut nachvollziehbar und ebenso gut zeigt sich später, dass es doch klüger gewesen wäre, auf den Erwachsenen zu hören. Der Lerngehalt dieser Folge ist zweifellos hoch und dies auf eine angenehm unaufdringliche Art.

Daneben ist der Anfang durchaus etwas rührend, wenn Meister Eder darüber sinniert, wie froh er doch über die Gesellschaft durch Pumuckl ist. Im Hörspiel jährt sich der Tag ihrer ersten Begegnung bereits zum zehnten Mal, in der Buchversion ist es lediglich ein Jahr her, was realistischer erscheint, da es für zehn Jahre in der Zwischenzeit doch etwa reichlich wenige Weihnachts-, Oster- oder Geburtstagsfolgen geben hätte. Ein kleines Manko ist die doch zu einfache Art und Weise, die Meister Eder und Pumuckl wieder an das verloren geglaubte Spielzeugauto gelangen. In anderen Folgen müssen sich Eder oder sein Kobold meist einen Plan einfallen lassen, etwa um Pumuckls Bett zurückzubekommen; da wird hier eine verhältnismäßig simple Lösung präsentiert.

Fazit:


Zwei gute Folgen, die für Kinder lehrreich und unterhaltsam sind. Bis auf Kleinigkeiten gibt es nichts zu kritisieren; auch wenn es nicht die besten Episoden der Reihe sind, kann man diese beiden Folgen immer wieder hören.

Sprechernamen:

Pumuckl - Hans Clarin
Meister Eder - Gustl Bayrhammer
Erzähler - August Riehl
Fritz - J. Fischer
Kunde - Alexander Malachovsky
Frau 1 - Erni Singerl
Frau 2 - Katharina de Bruyn
Junger Mann im Motorboot - Michael Lenz
Mann 1 - Olf Fischer
Mann 2 - Karl Obermayr
Schwimmer - Reiner Kositz

21. Februar 2014

Paul Pepper und das schleichende Gift

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Inhalt:

Bei einer Wanderung mit Pit und Jonny gerät Arnica in einen Graben. Darin liegt ein Fass, aus dem seltsamer Schleim fließt, den Arnica nun am Körper hat. Jonny verständigt Paul Pepper, der den Notarzt zu ihnen schickt. Arnica wird rasch ins Krankenhaus gebracht und sofort behandelt: Sie hat noch einmal Glück gehabt, schwebt durch das Gift dennoch kurzzeitig in Lebensgefahr.

Frau Scheringer recherchiert, dass die Giftmüllfässer von einer Chemiefirma stammen und von der Transportfirma Consilius illegal in den Wald gebracht wurden. Pit schleust sich dort als Helfer für die Ferien ein. Pepper warnt ihn davor, den Leuten dort zu nahe zu kommen und Pit verspricht, sich nicht in Gefahr zu bringen. Es gelingt ihm, auch Jonny dort einen Job zu verschaffen.

Als Pit gerade beim Chef Herrn Consilius im Büro ist, wird eine Bombe durchs Fenster geworfen. Pit reagiert geistesgegenwärtig und entfernt sie, ehe sie explodiert. Herr Consilius behauptet, dass Neider dahinter stecken. Kurz darauf taucht ein weiteres Giftmüllfass auf und ein Kind stirbt, in der Firma wird zudem eingebrochen. Paul Pepper und seine Freunde stecken mitten in einem dramatischen Fall von Umweltkriminalität ...

Bewertung:

Wie oft den Paul-Pepper-Geschichten üblich geht es hier nicht nur um Diebstahl, sondern es geraten tatsächlich auch Menschen in Lebensgefahr oder sterben gar, für eine Kinderhörspielserie sehr unüblich. Dementsprechend spannend geht es zu, vor allem da Pit und Jonny sich direkt bei der verächtigen Firma einschleusen. Es braucht recht lange, bis man alle Zusammenhänge durchschaut und weiß, wer die Fäden hinter dem Skandal zieht und gegen Ende hin wird noch einmal sehr dramatisch inklusive Schusswechsel und Verfolgungsjagd. Die Geschichte sensibilisiert junge Hörer für ein aufmerksames Umwelt- und Naturbewusstsein, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu kommen.

Bei aller Dramatik geht es zwischendurch auch mal witzig zu: Jonny macht sich vor dem Notarzt erst ein wenig wichtig, indem er sich in Lebensgefahr glaubt, weil er Beeren in der Nähe des Gifts gegessen hat - als es dann aber heißt, er solle sich den Magen auspumpen lassen, gerät er in Panik. "Ich komme mit", sagt Pit zur Beruhigung, "Ja, aber ich nicht!", entgegnet Jonny daraufhin entsetzt, was aber alles nichts hilft. Lustig wie immer ist auch das Mitmischen von Kommissar Rübenach, der geistesgegenwärtig reagiert, als er in der Firma auf Pit stößt und sich zum Glück vor dessen Chef nicht anmerken lässt, dass er die neue "Aushilfe" gut kennt. Rübenach ist in dieser Folge nicht ganz so aufbrausend wie sonst, aber es schmeckt ihm ganz offensichtlich dennoch nicht, dass Pepper und seine jugendlichen Freunde sich wieder einmal in die Angelegenheiten der Polizei einmischen - wenn es nach Rübenach ginge, sollte Pepper lieber ein paar Kaufhausdiebe schnappen und sich mit dem Verdienst des letztes Falls eine schöne Zeit machen.

Die Stammbesetzung ist perfekt ausgewählt. Jürgen Scheller war die Idealbesetzung für den unkonventionellen Paul Pepper, den er mit leicht nordischem Dialekt spricht, was natürlich bestens mit der Seemannsnatur des Detektivs harmoniert. Die mädchenhaft-hohe Stimme der leider inzwischen verstorbenen Veronica Neugebauer ist Hörspielfans ganz sicher von ihrer Rolle als Gaby bei "TKKG" gut bekannt und auch Jaron Löwenberg (u.a. Edward Norton, Adrien Brodie, Verliebt in Berlin) und Philip Brammer (Jason Priestley in "BH 90210", Nils Holgersson)haben sich zu bekannten Sprechern gemausert. Ellen Frank spricht mit energischer Stimme die resolute Oma Scheringer, die ihrem Vorbild Miss Marple nacheifert.

Trotzdem gehört die Folge leider nicht zu den besten der Reihe. Zum einen ist die Reihenfolge der Veröffentlichung irritierend, hier spielt nämlich Jack Feuervogel am Ende mit, der eigentlich erst in der Folge "Paul Pepper und der tödliche Sprung" eingeführt wird. Für Einsteiger ist das irritierend, denn dann weiß man nicht, wer dieser "Jack Feuervogel" überhaupt sein soll. Zudem ist es schade, dass Arnica wirklich nur in den ersten Minuten dabei ist und ansonsten ihr Gesundheitszustand nur von den anderen ab und zu erwähnt wird, anstatt dass sie nochmal selbst auftaucht, etwa bei einem Krankenbesuch. Zu guter Letzt spielt der Zufall ein bisschen zu sehr in die Ermittlungen rein. Es ist nicht ganz realistisch, wie schnell Pit und Jonny an wichtige Infos kommen.

Fazit:

Keine schlechte Folge, vor allem dank der guten und passenden Sprecher und der spannenden Handlung, die sich um einen Umweltskandal dreht. Trotzdem keine der besten Folgen der Reihe. Kann man hören, aber andere sind da weitaus empfehlenswerter.

Sprechernamen:

Paul Pepper: Jürgen Scheller
Jonny: Jaron Löwenberg
Pit: Phillip Brammer
Arnica: Veronika Neugebauer
Frau Scheringer: Ellen Frank

14. Februar 2014

Lolita - Vladimir Nabokov

Produktfakten:

Ausgabe: 1989
Seiten: 336
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Der Autor:

Vladimir Nabokov, geboren 1899 in St. Petersburg und gestorben 1977 in Montreux, studierte zunächst in England französische und russische Literatur, lebte in Deutschland und Frankreich, ehe er nach Amerika auswanderte. Dort arbeitete er als Schmetterlingsforscher und Universitätsprofessor, bis er mit "Lolita" einen Welterfolg landete und sich ganz dem Schreiben widmete.

Inhalt:

Der in Paris geborene Gelehrte und Schriftsteller Humbert Humbert ist seit einem prägenden Jugenderlebnis sexuell auf junge Mädchen im Alter zwischen neun und vierzehn Jahren fixiert. "Nymphchen" nennt Humbert diesen Typus, der ihn fasziniert, und er versucht, so oft es geht in die Nähe solcher jungen Mädchen zu gelangen.

In der Kleinstadt Ramsdale in New England bezieht Humbert Ende der vierziger Jahre mit Ende dreißig ein möbliertes Zimmer im Hause der Witwe Charlotte Haze. Ausschlaggebend dafür ist die zwölfjährige Tochter Dolores. Lolita, wie Humbert sie nennt, erscheint ihm wie die Inkarnation seiner gestorbenen Jugendliebe und er ist von der ersten Begegnung an besessen von ihr.

Während sich Humbert im Haushalt der Hazes einlebt, sucht er so unauffällig wie möglich Lolitas Nähe und gewinnt ihr Vertrauen. Zwischen Charlotte Haze und ihrer schwierigen, patzigen und teils frechen Tochter kommt es immer häufiger zu Konflikten. Unterdessen verliebt sich Charlotte in Humbert. Als sie Humbert schließlich vor die Wahl stellt, das Haus zu verlassen oder sie zu heiraten, willigt er ein und täuscht Liebe vor, um Lolita nicht zu verlieren. Charlotte ahnt nichts von seiner Leidenschaft für ihre Tochter. Doch die Lage spitzt sich zu und eine Katastrophe kündigt sich allmählich an ...

Bewertung:

Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.- Sie war Lo, kurz Lo, am Morgen, 1.50 m groß in einem Söckchen. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolly in der Schule. Sie war Dolores von amtswegen. Aber in meinen Armen war sie immer Lolita.

Wer kennt ihn nicht zumindest dem Namen nach, den Skandalroman Vladimir Nabokovs, der nicht nur Verfilmungen, sondern auch die Definition des Lolitakomplexes nach sich zog; der Typus der verführerischen Kindfrau ist entscheidend durch "Lolita" geprägt.

"Lolita" wurde bekanntlich zu einem Literaturskandal aufgrund der Vorwürfe der Pornografie und Pädophilie. Tatsächlich enthält der Roman weder pornografische Szenen noch kann ernsthaft einem Leser der Gedanke kommen, die pädophilen Vorlieben des Ich-Erzählers würden gebilligt, nicht einmal sympathisch erscheint der Protagonist. Das beginnt schon mit dem unangenehm klingenden Namen Humbert Humbert und setzt sich mit seiner Darstellung fort. Humbert kann nichts für seine Vorliebe und die Gedanken sind frei, doch fatalerweise belässt er es nicht bei ihnen, sondern nutzt fleißig Gelegenheiten, seine Nymphchen und speziell Lolita zu missbrauchen. Dies inszeniert er so geschickt und unauffällig, dass Lolita zunächst gar nichts davon merkt, etwa wenn er sie auf dem Schoß hält. Pikanterweise rechtfertigt Humbert sein Vorgehen damit, dass er niemandem schade, solange es unbemerkt bleibt und stellt sich spätestens von da an ins Abseits der Lesersympathie.

Ganz anders in Stanley Kubricks teils verrissener und teils (zu recht, obgleich dem Werk ein Großteil der Melancholie der Vorlage fehlt - aus Rücksicht auf die Zensoren orientierte sich Kubrick mehr am komödiantischen Teil) gelobter Verfilmung, die umgekehrt vorgeht: Hier wird nicht nur aus Lolita alias der zauberhaften Sue Lyon ein Teenager; Humbert Humbert alias James Mason ist scheinbar nur auf Lolita fixiert und seine generelle Vorliebe für "Nymphchen" spielt keine wirkliche Rolle, die sexuellen Andeutungen bleiben insgesamt sehr schwach und Humbert Humbert begnügt sich lange Zeit mit sehnsüchtigen Gedanken, statt es auf Berührungen anzulegen. Die Verfilmung präsentiert einen deutlich sympathischeren Protagonisten (was auch an James Mason als Besetzung liegt), dessen Faszination für einen frühreifen Teenager nachvollziehbarer ist und zugleich keuscher inszeniert wird.

Nabokovs Lolita erscheint anfangs als nicht besonders liebenswertes Mädchen: Sie ist zickig, flatterhaft und macht ihrer alleinerziehenden Mutter das Leben nicht gerade leicht. Humbert fühlt sich auf den ersten Blick an seine früh gestorbene Jugendliebe Annabel Leigh (!) erinnert, jenes dreizehnjährige Ur-Nymphchen, das in ihm die Liebe zu diesen Mädchen weckte. In der ersten Hälfte des Romans liegt der Fokus auf Humbert, in der zweiten rückt Lolita zunehmend in den Mittelpunkt. Obwohl die Geschehnisse und somit auch Lolita stets vom unzuverlässigen Erzähler Humbert aus betrachtet werden, kann der Leser unterscheiden zwischen Humberts Phantasien und Interpretationen und Lolitas wirklichem Empfinden. Lolita ist, und das ist wichtig, mitnichten die frühreife Verführerin, die gerne mit ihrem Namen assoziiert wird. Dolores Haze ist vielmehr ein verwirrtes und unter der etwas frechen Schale verletzliches Kind an der Schwelle zum Teenager. Ihre Zuneigung zu Humbert verwandelt sich in Abhängigkeit, ihre anfängliche sexuelle Neugier wird hemmungslos ausgenutzt und in einen Zwang umgepolt.

Erschreckend und zugleich höchst geschickt sind Humberts beiläufige Einflechtungen, die ihm harmlos erscheinen und die dem Leser Lolitas Leid vor Augen führen: Ganz en passant lässt er einfließen, dass er Lolita etwa den Kaffee verweigert, bis sie ihrer "Morgenpflicht" nachgekommen ist oder dass sie ihn so sehr zerkratzt, dass eine Dame an eine Auseinandersetzung mit einer Katze glaubt; ihr häufiges Weinen und ihre Beschimpfungen werden als Laune abgetan, während Humbert im Gegenzug betont, wie sehr er sich um sie kümmert und ihr alle materiellen Wünsche erfüllt. Während er auf der einen Seite liebevolle Fürsorge vorgibt, warnt er sie, sie bei fehlender Kooperation in ein Heim zu geben. Vor den Augen des Lesers entfaltet sich immer beklemmender Humberts Phantasiewelt, in der er mit seiner Lo eine erfüllte Beziehung lebt, sie dabei unentwegt manipuliert und ihre Verzweiflung ignoriert oder bagatellisiert.

Charlotte Haze ist vor allem bemitleidenswert. Sie ist eine leidlich hübsche Frau Mitte dreißig; ihr zwanzig Jahre älterer Ehemann starb früh und sie möchte das Leben noch genießen. Charlotte ist recht simpel gestrickt, dabei aber bemüht, elegant und verführerisch zu wirken. Ihre Redseligkeit und ihre eingeworfenen französischen Phrasen, die Weltgewandtheit demonstrieren sollen, machen Humberts herablassende Betrachtung teils nachvollziehbar, wirklich unsympathisch ist Charlotte aber nicht.

Der Roman ist gespickt mit literarischen und sprachlichen Anspielungen, von denen einige nur im Original zu erahnen sind. Und doch beschert auch die deutsche Übersetzung mit dem oft blumigen und dann doch wieder lakonischen Stil einen Lesegenuss. Oft genug und besonders in der zweiten Hälfte ist "Lolita" ein melancholisches Werk dank der unmöglichen Obsession Humbert Humbert und der bedauernswerten Seele Charlotte Haze. Nabokovs Verdienst ist es unter anderem, aus "Lolita" zugleich auch einen humorvollen Roman gemacht zu haben, der das Thema dennoch ernst nimmt und nie ins Lächerliche zieht. Für den Leser mutet es sehr amüsant an, wenn ausgerechnet Humbert Humbert immer wieder ins Blickfeld lüsterner Damen gerät, die nicht ahnen, dass ihre wogenden Brüste ihn verschrecken statt stimulieren, wenn er in sarkastischem Tonfall die für ihn als kultivierten Europäer oft abstoßende amerikanische Lebensart kommentiert oder in seinem Tagebuch knapp notiert, dass er seine frisch angetraute Ehefrau mit Lolitas Söckchen betrogen hat.

Viel anzukreiden ist diesem Roman wahrlich nicht. Störend fällt auf, dass Charlottes Schicksal sehr früh vorweggenommen wird, was gewiss bewusst geschieht, aber doch einen spannungsdämpfenden Effekt hat. Bei manch einem Satzgefüge hat es der Autor mit blumigen Formulierungen etwas zu sehr auf die Spitze getrieben; aber dies schmälert kaum den außerordentlichen Lesegenuss.

Fazit:

Nabokovs Roman präsentiert interessante und vielschichtige Charaktere, eine spannende und vor allem bewegende Handlung, verpackt in einen kunstvollen Stil und bleibt noch lange nach der Lektüre im Gedächtnis. Unterm Strich eines jener Werke, das man durchaus öfter im Leben zur Hand nimmt.

11. Februar 2014

Die drei Ziegenböcke - Ellen Rudin

Produktinfos:

Ausgabe: 1983
Seiten: 24
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Die Autorin:

Ellen Rudin hat neben diesem Werk noch andere Kinderbücher verfasst wie "Pig Sisters" und "Talk about School". Die Illustratorin Lilian Obligado ist spezialisiert auf Kinderbücher, etwa "Three little kittens" oder "Pickles and Jake".

Inhalt:


Es waren einmal drei Ziegenböcke, die in einem Tal lebten - ein kleiner Ziegenbock, ein mittlerer und ein großer. Das Tal ist durch einen reißenden Bach geteilt. Eine Brücke führt auf die andere Seite, auf der es viel mehr Grün zu fressen gibt.

Unter dieser Brücke lebt jedoch ein böser Troll, sodass die Ziegenböcke es nicht wagen, sie zu betreten. Eines Tages aber bringt sie der Hunger dazu, es doch zu versuchen. Irgendwie müssen sie über die Brücke gelangen, ohne dem gefährlichen Troll in die Hände zu fallen ...

Bewertung:

Das Märchen von den drei Ziegenbrüdern gibt es in vielen leicht unterschiedlichen Nacherzählungen, teilweise erhalten sie beispielsweise auch Namen.

In dieser Variante stechen vor allem die schön gemachten Bilder hervor. Jede Doppelseite ist vollständig coloriert und der Text fügt sich dann immer mit jeweils ein paar Zeilen oben oder unten in einem freien Plätzchen ein. Die drei Ziegen werden sehr individuell dargestellt. Das jüngste Zicklein ist hellbraun, hat ein niedliches Gesicht nach dem Kindchenschema und kleine Hörnchen. Der mittlere Ziegenbock besitzt ein rötlich-braunes Fell, ist recht dünn und seine Hörner ist ein wenig länger die des Zickleins. Besonders markant ist der älteste und größte der drei Ziegenböcke dargestellt: Er hat weißes, langes, dichtes Fell und lange, geschwungene Hörner und eine recht kräftige Statur. Alle drei Ziegen haben liebenswerte Gesichtsausdrücke; zugleich aber sind die Zeichnungen nicht zu verkitscht, vor allem die Körper der Tiere sind schon nah an den realen Vorbildern orientiert. Auch beim Troll wurde Wert auf eine detaillierte Darstellung gelegt.

Der Troll hat menschliche Gestalt, allerdings zerzauste weiße Haare und einen wallenden Bart, Krallenfüße, lange spitze Fingernägel und ebensolche Zähne. Dazu schaut er grimmig drein und schwingt eine Keule - für kleine Kinder ist sein Anblick sicher echt eindrucksvoll, aber auch nicht so grausig, dass sie wirklich Angst bekommen müssten.

Die Geschichte wird einfach und ohne irgendwelche Abschweifungen erzählt. Die drei Ziegenböcke erhalten keine besonderen individuellen charakterlichen Merkmale, außer, dass der größte und älteste auch der Mutigste ist und es mit dem Troll aufnimmt. Das Büchlein ist schnell vorgelesen und eignet sich auch gut zum Üben für Leseanfänger. Dazu eignet es sich nicht nur aufgrund der Stringenz der Handlung, sondern auch aufgrund der Wiederholungen: Die drei Brüder betreten nacheinander die Brücke und die Szene variiert jeweils nur geringfügig.

Zu bemängeln ist allenfalls, dass sich das Problem mit dem Troll leichter löst als gedacht - wenn man bedenkt, dass sich die drei Ziegenböcke offenbar erst bei größtem Hunger auf die Brücke trauen, erwartet man mehr Komplikationen. Ganz logisch ist es dabei nicht, dass sie sich erst ewig nicht auf die Brücke trauen und es dann wiederum ohne Absprache einfach durchziehen. Hier gibt es für vorlesende Eltern die Möglichkeit, die Geschichte ein bisschen auszuschmücken.

Fazit:

Ein schönes Kinderbuch für Vorschulkinder und Leseanfänger mit einer simplen, aber für Kinder dieses Alters ansprechenden Geschichte. Hervorzuheben sind auf alle Fälle die schönen, detaillierten Zeichnungen.